Wat mutt, dat mutt? Nein. Mit „müssen“ wird es schwierig.


Dr. Katrin Prüfig, 12.12.2016

Als meine Tochter noch kleiner war, kam sie spätestens Anfang Dezember zu mir und sagte: „Wir müssen noch den Wunschzettel an den Weihnachtsmann schreiben!“ Oder dann zu Beginn der Schulzeit: „Du musst mir bei den Hausaufgaben helfen!“ Meine – zunächst unbewusste - Reaktion war: Ich muss gar nichts! Formuliert habe ich es dann so: „Ich helfe Dir gern, wenn Du mich anders darum bittest.“

Selbst erfahrene Politiker wie Angela Merkel machen Schlagzeilen mit Sätzen wie „Wir müssen Gewalt von Migranten akzeptieren!“. Oder Horst Seehofer: „Wir müssen Gemeinsamkeiten in der Flüchtlingspolitik finden!“ Warum sind das unglückliche Formulierungen?

Du musst oder wir müssen gehört zu den Vokabeln, die beim Gegenüber eine - häufig unbewusste - Reaktion auslösen. In vielen Fällen ist dies: Ablehnung. Ablehnung der Botschaft und oft auch desjenigen, der die Botschaft übermittelt. Spüren Sie doch mal folgenden Aussagen nach:
Das müssen Sie sich so vorstellen, Herr Müller...!
Da müssen Sie mal hinten links im Regal nachsehen.
Herr X ist leider nicht im Büro. Da müssen Sie morgen nochmal anrufen.
Ich muss nachher noch den Rasen mähen…

Wirkung auf Empfänger

Müssen - ein problematisches Verb. Wer will schon gern etwas müssen? Es erzeugt unbewusst einen Druck und schränkt die Entscheidungsfreiheit ein. Auf der Empfängerseite werden viele eher dicht machen. Viele reagieren eher unbewusst, manche auch bewusst. Siehe oben. Motto: gar nix muss ich! Natürlich hat auch dieses Wort in manchen Situationen seine Berechtigung, z.B. wenn es um eine echte Dringlichkeit geht: „Wir müssen die Asylverfahren für Flüchtlinge beschleunigen!“

Wirkung auf den Sprecher

Interessanterweise wirkt eine bestimmte Wortwahl auch auf uns, die Sprechenden, selbst zurück. Der Druck, den das Wort müssen in Richtung Empfänger erzeugt, erzeugt es auch nach innen. Wie viel lästige Pflicht steckt in dem Satz: Ich muss nachher noch Rasen mähen? Oder: Ich muss nachher noch fünf Emails schreiben? Am deutlichsten wird es, wenn Sie „müssen“ so oft es geht durch „werden“ oder sogar „wollen“ ersetzen. Die Aufgaben werden leichter, wenn es heißt: Ich werde nachher noch Rasen mähen. Oder gar: Ich will nachher noch Rasen mähen! Wer immer nur in „müssen“ denkt, dem wird vieles nur schwer von der Hand gehen.

Unser Tipp:

Ersetzen Sie „müssen“ so oft es geht durch möchten, werden, wollen. Sie werden erleben, wieviel leichter Sie durchs Leben gehen. Und wie viel bereiter ihre Gesprächspartner sich auf Ihre Themen einlassen.

Autorin

BMTD

Dr. Katrin Prüfig

Kontakt: www.die-medientrainer.de

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