Wahl-Blog 2017: Die Partei SSW hat es im Wahlkampf „menscheln“ lassen – die Grenze zu Slapstick ist fließend


Flaschenbier und lockere Sprüche statt Inhalte haben in Schleswig-Holstein nicht zum Wahlsieg geführt

Dr. Katrin Prüfig, 08.05.2017

Wenn ich aus meinem Bürofenster schaue (auf Hamburger Boden), ist die Landesgrenze zu Schleswig-Holstein nur gut 500 Meter entfernt. Ein Bundesland mit 2,3 Millionen Einwohnern, seit Sonntag mit einem Koalitions-Problem – und schon länger einer Sonderregelung. Denn hier gibt es die Partei der dänischen Minderheit im Land, den Südschleswigschen Wählerverband SSW. Dieser fällt nicht unter die 5-Prozent-Klausel, d.h. auch mit dem aktuellen Ergebnis von rund 3 Prozent ziehen SSW-Abgeordnete in den neuen Landtag ein. Allerdings hat der SSW ein Viertel seiner Wähler verloren. Die sog. Küstenkoalition aus SPD, Grünen und SSW ist – auch aufgrund der hohen Verluste der SPD - zu Ende.
Womit wollte der SSW im Wahlkampf punkten? Da findet sich zum einen das „Streitgespräch“ von Spitzenkandidat Lars Harms aus Flensburg mit einem anderen Parteikollegen aus Husum. Beide sitzen am Hafen, eine Flasche „Flens“ dabei, beide im Vollprofil zu sehen. Sie streiten darüber, ob Flensburg oder Husum das bessere Bier haben. Sie wetteifern über die Frage, wer die größere Werft hat. Sie lachen sich kaputt.


https://www.youtube.com/watch?v=eHVYIuFSBNA

Nett – irgendwie. Zwei Parteikollegen im Pseudo-Standort-Wettkampf. Erkenntnisgewinn für den Zuschauer? Nun ja. Die Grenze zum Slapstick ist fließend. Zwei Kumpel und zwei Flaschen Bier. Warum soll man die wählen?

Noch mehr menschelt es im Wahlwerbespot des SSW-Spitzenkandidaten: Lars Harms hilft zunächst einer Frau mit Rollator über die Straße. Dann tritt er in eine Pfütze. Dann lässt er beim Bäcker eine Frau vor. Dann tritt er wieder in eine Pfütze. Gefühlt tut er das noch mindestens 10 Mal, bevor er am Hafenbecken fast in Wasser fällt. Nett – irgendwie. Kilometerweit entfernt von den Hochglanz-Spots der Bundesparteien.

http://ssw2017.de/videos/

Und – ja - manche vermissen das „Menschelnde“ und das „Sich-selbst nicht-so-wichtig-nehmen“ durchaus bei Vertretern anderer Parteien. Aber nochmal: Was tut Harms für das Bundesland Schleswig-Holstein? Und warum soll man ihn wählen? In Sachen Bewegtbild-Kommunikation hätte es beim SSW gern mehr sein können. Auch mit kleinem Budget lassen sich Inhalte vermitteln. Und auch, wer nicht der 5-Prozent-Hürde unterliegt, kann darauf einen Gedanken mehr verschwenden. Fazit: Menscheln im Video ist prima. Und wenn der Mensch dann seinen (Wahl-)Menschen noch sagen würde, warum sie den Menschen wählen sollen - Mensch, dann wäre es klasse!

Der BMTD ist unabhängig, überparteilich und ausschließlich der professionellen Kommunikation verpflichtet. Die Auswahl der Interviewpartner und ihrer Zitate sowie die entsprechenden Bewertungen erfolgen ausschließlich nach den BMTD-Empfehlungen für einen erfolgreichen Auftritt und sind deswegen kein Ausdruck einer politischen Richtung.

Autorin

BMTD

Dr. Katrin Prüfig

Kontakt: www.die-medientrainer.de

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