Wahl-Blog 2017: Schulz über Schulz - was taugt der Internetauftritt des SPD-Kanzlerkandidaten?


Ob Schulz Kanzler kann, wissen wir nicht. Kommunizieren kann er. Im Interview und auf dem Rednerpult ist der Mann einfach klasse. Aber kann Schulz Kommunikation tatsächlich auf allen Kanälen, auch auf den modernen, den digitalen?

Juliane Hielscher, 10.04.2017

„Und nun stehe ich vor Euch. Ein Mann aus Würselen, aus einfachen Verhältnissen. Ich bewerbe mich um ein Amt, das großartige Menschen vor mir inne hatten.“

Was für eine kraftvolle Bewerbung, was für einfache und klare Aussagen. Und volle Lotte wirkungsreich. 100 Prozent Zustimmung gab es am 19. März für den Kanzlerkandidaten der Sozialdemokraten.

Doch neben der Wucht solcher Aussagen spielt auch die eigene Webseite für Politiker im Wahlkampf eine außerordentlich wichtige Rolle. Hier landen alle, die mehr über den Menschen wissen möchten. Und im Gegenteil zur Presseberichterstattung hat der Homepageinhaber die Hoheit über Aussagen und Formulierungen. Hier kann sich ein Politiker in seinem ganz persönlichen Tonfall an die Leser wenden. Jeder davon könnte schließlich ein potentieller Wähler sein. Deshalb spricht die Mehrzahl des politischen Spitzenpersonals die Bürger auf den Netzseiten auch direkt an. Ob Merkel, Gabriel, Özdemir, Wagenknecht oder Lindner, querbeet durch die Parteien werden Ich-Botschaften platziert, Appelle formuliert und Seitenbesucher mit Sie angesprochen. Auf diese Weise wird eine lebendige Kommunikation simuliert.

Bei Martin Schulz ist das auffällig anders.

Noch drei Wochen nach seiner Wahl findet sich auf der Startseite seiner Homepage ausschließlich ein Bericht zur Nominierung. Wir lesen Aussagen über Schulz, aber nicht von Schulz. Der Kandidat lässt sich beschreiben, ganz in der Manier eines Zeitungsartikels. Kostprobe gefällig? „Bewegt schritt M.S. .... durch die Reihen von ... jubelnden Menschen...“, „M.S. blickte kämpferisch nach vorne...“, „Unter anhaltendem Beifall fügte er hinzu...“ Wer auf den Menüpunkt Aktuelles klickt – der nebenbei bemerkt, erst ganz unten auf der Seite liegt – landet wiederum auf ebendieser Seite. Der Menüpunkt Presse führt zur Presseseite der SPD. Und dort erst lässt sich nach weiterem Suchen unter Terminen erfahren, dass der neue Vorsitzende am Wochenende fleißig in NRW unterwegs war. Auf der eigenen Seite kein Wort davon. Schließlich wechselt nur im Menüpunkt Über mich der Tonfall in die Icherzählung.

Aus Sicht von Medientrainern ist das kein Meisterstück. Unpersönlich, distanziert, inaktuell und userunfreundlich – diesen Eindruck vermittelt die Seite, die Schulz‘ Namen trägt. Da hilft es auch nicht, dass der Mann sowohl einen Twitter- als auch einen Facebook-Account pflegt. Denn entsprechende Symbole mit der jeweiligen Verlinkung sind tief unten im Menüpunkt Über mich versteckt.

Aber mal ehrlich, wer außer einer Blogautorin sucht da schon?
Natürlich programmiert und bestückt der Politiker seine Webseite nicht selbst. Dafür hat er seine Leute. Man sollte meinen, dass es sich hier um Profis handelt. Sicher sein, kann man sich allerdings nicht. Denn in Sachen Netzkommunikation ist deutlich Luft nach oben.

100 Prozent sind beim Internetauftritt von Martin Schulz noch lange nicht erreicht.

https://martinschulz.spd.de/

Der BMTD ist unabhängig, überparteilich und ausschließlich der professionellen Kommunikation verpflichtet. Die Auswahl der Interviewpartner und ihrer Zitate sowie die entsprechenden Bewertungen erfolgen ausschließlich nach den BMTD-Empfehlungen für einen erfolgreichen Auftritt und sind deswegen kein Ausdruck einer politischen Richtung.

Autorin

BMTD

Juliane Hielscher

Kontakt: www.juliane-hielscher.de

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