Wahl-Blog 2017: Wahlkampf und G20-Randale - Olaf Scholz bei Anne Will


Von norddeutscher Gelassenheit, Glaubwürdigkeit und vom Geschichten erzählen: der weitgehend souveräne Auftritt eines erfahrenen Politikers

Heike Klatt, 14.07.2017

G20-Randale, Autos in Flammen, marodierende Extremisten in der ganzen Stadt. Nicht die beste Kulisse, um im Wahlkampf für die SPD zu punkten. Stadtoberhaupt Olaf Scholz hatte sich die Strahlkraft des Weltereignisses G20 sicher anders vorgestellt. Trotzdem steht er in der Talkshow Anne Will Rede und Antwort.


Quelle: "Anne Will" vom 09.07.2017


Es geht auch in Talkshows um nichts Geringeres als darum, Botschaften zu senden. Und noch bevor der Erste Bürgermeister der Hansestadt, Olaf Scholz, auf die erste Frage in der Sendung Anne Will antwortet, stellt er etwas klar. Nämlich, wie er das mit den Verkehrsproblemen (nicht mit den Gewaltexzessen) beim G20-Gipfel im Vergleich zum Hamburger Hafengeburtstag gemeint hat. Viele hätten „ihm das Wort im Mund herum gedreht“. Es geht um dieses Zitat: "Wir richten ja auch jährlich den Hafengeburtstag aus. Es wird Leute geben, die sich am 9. Juli wundern werden, dass der Gipfel schon vorbei ist."

Gut gemacht! Mit einer ruhig eingeflochtenen Klarstellung zu beginnen, die bestenfalls nicht als Rechtfertigung rüberkommt, ist vom Hamburger SPD-Politiker ein cleverer Schachzug, weil zwei Dinge gelten: 1. Nutze jede Gelegenheit Botschaften zu senden. Und die Talkshow „Anne Will“ war eine solch gute Gelegenheit. 2. Reagiere auf anklagende Fragen nicht reflexartig mit Verteidigungspose. Sondern mit der Gegenfrage, „vielleicht lassen Sie mich kurz noch einen Satz sagen zu …“. Da ihm die Moderatorin dies gewährt: Bravo.


Von 06:46 bis 07:15 erklärt Olaf Scholz, was „aus dem Zusammenhang gerissen“ wurde.


Nach dieser guten Minute beantwortet Olaf Scholz die gestellte Frage. Dass er unter Druck steht, weil trotz enormer Polizeianstrengungen die Gewalt extrem eskaliert war, merke ich ihm hier nicht an.

Minuten später dann landet Olaf Scholz einen weiteren rhetorischen „Coup“. Er gibt seinem rednerischen Gegenspieler Recht. Das ist clever. Fällt doch dabei sicher eine Scheibe Sympathie für einen selber ab. Und: Es lenkt ab von negativen Fragen. Einen Satz allerdings mit „ich glaube“ zu beginnen ist weniger clever! Weil der Redner als unkonkret wahrgenommen wird. Weil „ich glaube“ weichgespült ist und „Pack an“ entbehrt. Besser wäre gewesen zu sagen: „wir arbeiten höchst intensiv daran herauszufinden.“ Hier zeigen sich „Pack-an“ und Entschlusskraft deutlicher.

Dem Gesprächsnachbarn über eine längere Redezeit permanent in die Augen zu schauen ist schwer. Schwerer noch, wenn ihn diese Person zwar (nur) sachlich jedoch namentlich angreift. Daher ein Pluspunkt für Olaf Scholz. Über eine Minute lang hält er den Augenkontakt zu Georg Restle, dem Moderator der Sendung „Monitor“. Gleichzeitig bleibt sein Oberkörper ruhig. Scholz sendet damit die Botschaft: Das Gesagte ist ihm in diesem Moment wichtig und „ich bin ganz Ohr“!

Viele Redner packen zu viel Fachwissen in den Redeanteil. Langes Reden aber erzeugt oft gelangweiltes Zuhören. Fachwissen griffig formuliert und in einer Geschichte präsentiert, die auch noch Bilder in den Köpfen der Zuschauer erzeugt (Helmut Schmidt als Ideengeber des G7 Gipfels) kann hingegen gut ankommen. Olaf Scholz tat das nach dem Motto: Ich bin zwar schon lange Politiker (verlegenes Lächeln), plaudere trotzdem gerne mal aus dem Nähkästchen, und teile euch, liebe Zuschauer, meine Botschaft mit: „das Format G20 ist richtig“. Wieso nicht!?

Fazit: Olaf Scholz spielt die eine oder andere Rhetorik-Karte gut. Obwohl er unter starkem Druck steht: Glaubwürdigkeit und Emotionen bedient er souverän an mehreren Stellen. Solche rhetorischen Mittel dienen schlichtweg dazu, die Botschaft zu überbringen. Und darum geht es ja!

Der BMTD ist unabhängig, überparteilich und ausschließlich der professionellen Kommunikation verpflichtet. Die Auswahl der Interviewpartner und ihrer Zitate sowie die entsprechenden Bewertungen erfolgen ausschließlich nach den BMTD-Empfehlungen für einen erfolgreichen Auftritt und sind deswegen kein Ausdruck einer politischen Richtung.

Autorin

BMTD

Heike Klatt

Kontakt: www.firmen-medien-coaching.de

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