Wahl-Blog 2017: Von Problemen, Distanz und fehlenden Anreizen


Katja Suding – stellvertretende Bundesvorsitzende der FDP - zeigt, warum es wichtig wäre, dass man für einen TV Talk Botschaften vorbereitet.

Kathrin Adamski, 24.07.2017


Aus der Sendung "Dunja Hayali" vom 19.7.2017 / Screenshot


Katja Suding, Spitzenkandidatin der FDP in Hamburg und stellvertretende Bundesvorsitzende, zu Gast bei Dunja Hayali. Es geht um Obdachlose, die sich trotz Arbeitsstelle keine Wohnung in der Hansestadt leisten können und warum es viel zu wenig Notunterkünfte gibt. In Wahlkampfzeiten ist Dunja Hayali durchaus eine Plattform, die man als Gast mehr als nutzen könnte. Denn das Thema und die Dialogpartner sind im Vorfeld der Sendung bekannt. Doch Katja Suding nutzt diese Chance nicht. Brav sitzt sie in der Gesprächsrunde. Ihre Haltung: zurückgenommen – im wahrsten Sinne des Wortes. Sie lehnt am Sofa, kann sich kaum bewegen, wirkt wie festgetackert an der Lehne. Verstärkt wird der Eindruck noch im Gegensatz zur Dynamik von Dunja Hayali, die sich leicht nach vorn beugt, aktiv wirkt, Schwung in den Dialog bringen will. Dagegen wirkt Katja Suding nicht nur non-verbal wie fehl am Platz. Ihre verbalen Äußerungen unterstreichen die wenig aktive Haltung zum Thema. Warum?

Erstens: Weil Sie, statt aktiv zu kommunizieren, nur die angesprochenen Probleme nochmal wiederholt und bekräftigt und das Ganze auch noch im verbalen Passiv formuliert.

„Sie (die Frau, die eine Notunterkunft aufgebaut hat) hat vollkommen Recht, dass man staatliche Leistungen nicht auf Private abwälzen kann und sie dann auch noch alleine lässt. Aber dahinter steckt ja ein Problem, das noch viel größer ist…, (nämlich) dass viel mehr Wohnungen gebaut werden müssen. Das ist die eigentliche Aufgabe, die der Staat hat. Da müssen mehr Anreize geschaffen werden, damit mehr Wohnungen gebaut werden.“

Wer muss bzw. kann hier was tun und wer ist der Staat, von dem Suding da spricht? Gehört die FDP als Möchtegern-Regierungspartei nicht dazu?

Zweitens: Weil Sie nicht darstellen kann, was die FDP zu diesen Themen an Lösungen bietet und welche Rolle sie als mögliche Regierungspartei spielen will.

„Es ist natürlich richtig, dass der Staat die Wohnungen nicht bauen kann, die wir benötigen. Das heißt, wir brauchen private Bauträger, wir brauchen private Genossenschaften und es muss Aufgabe der Politik sein, ihnen nicht mehr Steine in den Weg zu legen, sondern Anreize zu schaffen. Auf der anderen Seite brauchen wir auch Sozialwohnungen, das ist vollkommen richtig…“

Wer ist wir? Und warum hören wir nichts darüber, wie die FDP ein solches Anreizsystem umsetzen würde? Warum hat sich Suding im Vorfeld keine Gedanken dazu gemacht? Das Thema der Sendung war ja bekannt.

Drittens: Weil Sie sich vom ganzen Thema distanziert. Der „Staat“ und „man“ bestimmen die Aussagen. Als ob Katja Suding weder einer Partei angehören würde, die Deutschland mitregieren will, geschweige denn das Thema auf ihrer Agenda eine Rolle spielt. Auf die Frage, was konkret IHRE Lösungen zur Wohnungsnot sind, folgt die bereits bekannte Antwort:

„Das Wesentliche ist, dass MAN Anreize schafft für Investoren…“

Dunja Hayali geht dazwischen und hakt nach: „Ich muss Sie unterbrechen. Was konkret kann das für ein Anreiz sein?“

„MAN muss sich anschauen, was sind da für intelligente Konzepte…“ „Insgesamt ist der STAAT- und das muss MAN sich mal vor Augen führen - für dreißig Prozent der Kosten am Bauen verantwortlich. Da muss sich DER STAAT schon an die eigene Nase fassen und gucken, dass MAN sich im Bereich der Auflagen zurücknimmt.“ „Wie kann MAN da reduzieren, wie kann MAN sich da auf das Wesentliche beschränken…“

Warum ist Katja Suding der Einladung von Dunja Hayali gefolgt, fragt sich der Zuschauer bei jeder Antwort: Wenn Sie doch keine aktiven Botschaften hat und sich – zumindest rein verbal – vom Thema der Sendung distanziert. Da kann man nur sagen: Prüfe, ob Du in einem TV Auftritt wirklich etwas zu sagen hast. Und wenn ja, dann bereite Deine Botschaften vor, zeige aktiv Lösungen auf und würze das Ganze mit dem persönlichen „Ich“ oder „Wir“. Sonst ist diese Plattform nicht nur eine vertane Chance, sondern schadet im schlimmsten Fall dem Image.

Die Sendung finden Sie hier: https://www.zdf.de/politik/dunja-hayali/dunja-hayali-sendung-vom-19-juli-2017-100.html ab 31:26

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Autorin

BMTD

Kathrin Adamski

Kontakt: www.redefluss.de

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