Wahl-Blog 2017: Katarina Barley, SPD - freundlich, klar, aber nicht immer überzeugend


Die kommunikativen Stärken und Schwächen der neuen Bundesfamilienministerin

Dr. Katrin Prüfig, 07.06.2017

Die Politik braucht Frauen wie Katarina Barley: Freundlich, sympathisch, in angenehmer Weise präsent im direkten Gespräch. Auch Attribute wie feminin und apart treffen auf sie zu. In Interviews wirkt sie inhaltlich gut sortiert und klar. Diese Klarheit zieht sie zum einen aus dem sehr konstanten Blickkontakt zum Gegenüber. Konzentriert und doch nicht streng im Blick antwortet sie in „Botschaften-Päckchen“, die der flüchtige Zuschauer, Hörer oder Leser gut aufnehmen kann. Ihr Sprechtempo ist angenehm, man kann ihr gut folgen.

Katarina Barley im Interview / Screenshot YouTube

Inhaltlich gelingt es der Juristin, komplexe Sachverhalte darzustellen, wie z.B. die sogenannten „Filterblasen“, in denen sich Facebook-Nutzer befinden, ohne es zu wissen.
http://www.zeit.de/politik/deutschland/2017-02/katarina-barley-spd-martin-schulz-fake-news-wahlkampf-soziale-medien/seite-3

Sie benutzt Vergleiche – mit Hackern sei es „wie beim Doping: Die Mistkerle sind einem meistens einen Schritt voraus.“
Sie sendet Ich-Botschaften: „Aber noch etwas bereitet mir Unbehagen: Wenn Facebook einmal weiß, wie man tickt…“ – bringt damit einen neuen Gedanken ins Gespräch.
Sie kann sensible Themen gut verpacken, wertschätzt ihren früheren Partei-Chef Sigmar Gabriel genau wie Martin Schulz.

All das ist gut, für die Rolle der SPD-Generalsekretärin und künftig auch für die der Bundesministerin. Was fehlt?

„Abteilung Attacke“ sei nicht ihre Sache, hieß es in mehreren Kommentaren, als die SPD trotz Schulz-Effekt bei den Landtagswahlen im Mai nicht punkten konnte. Dafür sind Generalsekretäre schließlich da, könnte man meinen, für Attacke eben. Ein paar Giftzähne können da nicht schaden. Andrea Nahles hat sie. Manuela Schwesig vielleicht auch. Aber zu Katarina Barley passt laute Attacke nicht, und sie ist gut beraten, es auch gar nicht zu versuchen.

Was der 48jährigen fehlt, ist die Fähigkeit, ihren eigenen, gut gewählten Worten Kraft zu verleihen. Zu häufig ist die Stimme am Satzende oben. Dadurch hängt die Botschaft in der Luft, kann keine starke Wirkung entfalten. Das passiert häufig, wenn ein Interviewter sich zwar schöne Kernbotschaften überlegt hat, aber selbst nicht 100prozentig daran glaubt. Dann ist das Gehirn damit beschäftigt, die Botschaften richtig abzurufen. Überzeugungskraft entfalten sie so nicht.

Der BMTD ist unabhängig, überparteilich und ausschließlich der professionellen Kommunikation verpflichtet. Die Auswahl der Interviewpartner und ihrer Zitate sowie die entsprechenden Bewertungen erfolgen ausschließlich nach den BMTD-Empfehlungen für einen erfolgreichen Auftritt und sind deswegen kein Ausdruck einer politischen Richtung.

Autorin

BMTD

Dr. Katrin Prüfig

Kontakt: www.die-medientrainer.de

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