Wahl-Blog 2017: AfD ohne Botschaften?


Thüringens AfD-Chef Höcke verpasst im MDR-Sommerinterview die Chance, über Inhalte zu reden.

Daniel Baumbach, 30.07.2017


Hocke im Interview / Screenshot


Wann ist ein Interview aus Sicht eines Politikers gescheitert? Wenn sich Nachrichtenjournalisten schwer tun, aus einem sechsminütigen Interview einen Nachrichtenwert zu ziehen. Da gibt es kein Schönreden. Anders kann ich das sowohl aus der Sicht eines Nachrichten-Journalisten als auch aus der Sicht eines Medientrainers nicht bezeichnen. Ein Kommunikator hat die Chance, seine Botschaften zu platzieren, verpasst!

So ist es jetzt dem Thüringer AfD-Chef Björn Höcke geschehen. Er gab dem „MDR Thüringen Journal“ ein Sommerinterview. Und das nachrichtliche Filtrat, das dann über die Nachrichtenagenturen lief, war:

  • Höcke ist vom Rückzug seiner Stellvertreterin überrascht gewesen.
  • Höcke will sich nicht zu einem Rechtsextremisten in seiner Landtagsfraktion äußern.
  • Höcke verteidigt das traditionelle Familienbild seiner Partei.

Mehr nicht.

Ich mag es kaum glauben. Ist das eben jener Höcke, der in seiner berühmt berüchtigten Dresdner Rede zu einer „erinnerungspolitischen Wende um 180 Grad“ aufrief und der das Holocaust-Mahnmal in Berlin als „Mahnmal der Schande“ bezeichnete? Der Höcke, der immer wieder auf öffentliche Konfrontation mit seiner Parteichefin Frauke Petry geht und als führender Rechtsaußen seiner Partei bezeichnet wird?

Ja, er ist es.

Es ist also offenbar ein eklatanter Unterschied, ob dieser Politiker vor seiner Anhängerschaft eine ausgearbeitete, bedeutungsschwere Rede verliest oder vor einer ziemlich taffen Fernsehjournalistin und drei Kameras sitzt. Höcke scheint wie ausgewechselt zu sein: Einmal selbstbewusst, aufpeitschend und sich in seiner eigenen Bedeutung sonnend; das andere Mal defensiv, ja, eingeschüchtert, irgendwie beleidigt wirkend.
Zweimal reagiert er auf Fragen mit der Phrase „Ich habe den Sachverhalt abschließend und ausreichend beantwortet.“

Seine bisherige AfD-Stellvertreterin in Thüringen, Steffi Brönner, habe gesagt, er sei ein „verwirrter Geschichtsromantiker“. Höckes Reaktion: Er sei da im Urlaub gewesen. Als Politiker „trenne er Phasen der Anspannung und der Entspannung“. Und es sei „wichtig, dass man sich Zeiten der Ruhe gönnt.“
Ist dies eine offensive Verteidigungs- oder Entkräftigungsstrategie in einem Interview? Nein, ist es nicht.

Und nur mit wirklich gutem Willen kann ich eine einzige Antwort von Höcke als Botschaft erkennen. Auf die Frage der Journalistin nach der Flüchtlingskrise, die der AfD für den Bundestagswahlkampf ja abhanden gekommen sei, antwortet er, dass diese Flüchtlingskrise noch da sei und dass die AfD auch noch andere Themen habe, nämlich die Eurokrise, die Kritik an der EU-Bürokratie und die Familienfreundlichkeit.

Das ist eindeutig zu wenig Botschaft für einen Landeschef, dem auch bundespolitische Ambitionen nachgesagt werden!

Hier finden Sie das Interview: http://www.mdr.de/thueringen/video-123750.html

Der BMTD ist unabhängig, überparteilich und ausschließlich der professionellen Kommunikation verpflichtet. Die Auswahl der Interviewpartner und ihrer Zitate sowie die entsprechenden Bewertungen erfolgen ausschließlich nach den BMTD-Empfehlungen für einen erfolgreichen Auftritt und sind deswegen kein Ausdruck einer politischen Richtung.

Autor

BMTD

Daniel Baumbach

Kontakt: medienspezialist.com

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