Wahl-Blog 2017: Elefantenrunde mit Terrier-Effekt


Blitz-Talk mit den Spitzenkandidaten nach der NRW-Wahl - eigentlich ein Ritual, doch diesmal nicht.

Stefan Klager, 15.05.2017

Alle Wahlen wieder – erst um 19 Uhr im ZDF, dann um 20 Uhr das Ritual "Elefantenrunde" in der Tagesschau. An diesem Wahlabend leitet Frank Plasberg das nur wenige Minuten lange Gespräch mit fünf Politikern. Und stellt Fragen, die offenbar herausfordernd sind. Hannelore Kraft (SPD), die bereits zurückgetretene Ministerpräsidentin, lässt sich mit der eher überraschenden Frage, ob sie mit ihrem Rücktritt dem SPD-Kanzlerkandidaten Schulz einen Dienst erwiesen habe, nicht aus der Ruhe bringen. Sie kontert gelassen, sie müsse Schulz keinen Dienst erweisen und schwenkt dann genau auf das um, was sie sich offenbar vorgenommen hatte zu sagen.


Hannelore Kraft vor ihren Anhängern. Sie verkündet ihren Rücktritt von allen SPD-Parteiämtern.

Kurz-Interviews bedeutet: Auf die Frage eingehen, aber auch die Botschaften platzieren, die in wenigen Sekunden Redezeit möglich sind. Das macht Kraft professionell. Ihre Stimme ist gewohnt ruhig, kraftvoll, und sie wirkt fast schon (zu?) fröhlich und gut drauf. Ist sie noch im Wahlkampf-Modus (Zuversicht verbreiten) und noch nicht in der Realität (Wahldebakel) angekommen? Ein guter Journalist spürt so etwas - und zack, Plasberg fragt nach. Ob sie sich sogar freue, Politik mit Abstand sehen zu können. Und zum ersten Mal ist leichte Verunsicherung bei Kraft zu spüren. Nein, sie sei traurig, dass viele ihrer Parteifreunde nun kein Mandat erhielten. Die Kurve hat Kraft so eben noch bekommen, aber überzeugt hat sie mit der Antwort nicht. Es bleibt der Eindruck, Plasberg lag mit seiner Vermutung richtig. Und dies zeigt, dass Krafts Mimik, Gestik und Stimme in diesem Punkt überzeugender waren als ihre formulierten Inhalte.


FDP-Chef Lindner: Ein paar Monate noch Düsseldorf – und dann vielleicht Berlin?

Auch FDP-Chef Christian Lindner ist - wie Kraft - offenbar noch im Wahlkampf-Modus. Wie ein Terrier reklamiert er den größten FDP-Erfolg aller Zeiten in NRW - keiner hatte diesen Erfolg klein reden wollen. Warum dieser verzweifelt kämpferische Ton? Lindner wirkt kratzbürstig, was darin gipfelt, dass er in Frage stellt, ob die FDP denn überhaupt Teil einer Koalition mit der CDU werden wolle. Zum Erstaunen aller. Wahlkampfgetöse nach dem Wähler-Votum? Lindner wirkt angestrengt und alles andere als ein strahlender Sieger, der seiner Freude freien Lauf lässt und souverän artikuliert.

Die Kandidaten der Grünen und der AfD, Löhrmann und Pretzel, kommen auch noch zu Wort. Vermutlich spüren sie das baldige Ende der Runde. Beide antworten kurzatmig und gehetzt. Löhrmann hat - wie sie sagt - keine Fehler gemacht. Die Themen wie Inklusion seien halt große Herausforderungen. Und Pretzel ist ungewohnt kleinlaut; er bezeichnet den Einzug ins Parlament als gerade noch rechtzeitige Trendwende vor der Bundestagswahl.

Was war da los in Düsseldorf? Ein Sieger, der verbissen wirkt. Eine Verlierern, die bestens gelaunt scheint. Und Fragen, die hart, aber fair sind. Ein Ritual mit nicht ritualisiertem Verlauf.

Der BMTD ist unabhängig, überparteilich und ausschließlich der professionellen Kommunikation verpflichtet. Die Auswahl der Interviewpartner und ihrer Zitate sowie die entsprechenden Bewertungen erfolgen ausschließlich nach den BMTD-Empfehlungen für einen erfolgreichen Auftritt und sind deswegen kein Ausdruck einer politischen Richtung.

Autor

BMTD

Stefan Klager

Kontakt: www.Der-KommunikationsCoach.de

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