Wahl-Blog 2017: Besser als jede Gute-Nacht-Geschichte - Alexander Dobrindt am Rednerpult


Was macht langweilige Reden eigentlich langweilig? Beides – der Redner und die Zutaten...

Dr. Katrin Prüfig, 18.04.2017

Unaufgeregte Redner sind mitunter ganz wohltuend. Nicht jeder muss ins Mikrofon brüllen wie Horst Seehofer oder rot anlaufen wie Gregor Gysi. Der Mix macht’s, gerade im politischen Raum und gerade im Wahlkampf. Aber was ist noch unaufgeregt und was einfach nur langweilig?

Nehmen wir Alexander Dobrindt, den Bundesverkehrsminister von der CSU. Ihm schreibt die „heute show“ im ZDF eine „Verkehrsinselbegabung“ zu. Zu wahrem Redner-Talent jedenfalls reicht es nicht: Immer wenn er seine PKW-Maut begründet, beginnen die Sätze gleich: „Sie ist fair, ….. Sie ist gerecht, …. Sie ist sinnvoll….“ Nun gut, Kernbotschaften leben ja davon, dass man sie wiederholt. Aber Dobrindt leiert sie runter. Jedes Mal genau gleich. Quasi mit sich selbst im Schlafwandler-Chor.


https://www.youtube.com/watch?v=t2nFMrQwJTE

Den Worten fehlt dadurch die Überzeugungskraft. Wo kein Funke ist, kann auch keiner überspringen, so einfach ist das.
Anderer Ort, gleicher Dobrindt: Rede auf dem Zukunftsforum Digitales Bauen & Wohnen. Ein Heimspiel für den CSU-Minister im eigenen Haus. Nach fünf Minuten ist noch immer nicht klar, wohin die Rede-Reise diesmal geht. Nach fünf Minuten ist weiterhin jeder Satz gleich unwichtig, weil kraftlos dahingesagt. Nach fünf Minuten haben die Zuhörer zwar von Wertschöpfungsketten, Produktionsprozessen, Substanzrevolution, Building Information Modelling und Plattformökonomien gehört. Aber nichts gefühlt. Und nach fünf Minuten geht es noch 15 Minuten so weiter. Eine Pflichtübung für den Minister und eine Geduldsprobe für das Publikum.

Hier fehlt nicht nur der Funke, der auf das Publikum überspringen soll, der die Aufmerksamkeit fesselt. Hier fehlen wesentliche Zutaten guter Kommunikation: eine bildhafte Sprache reich an Beispielen, mit starken Verben und anschaulichen Begriffen. „Das Verb ist der Muskel des Satzes“, hat Wolf Schneider, Autor und Deutsch-Oberlehrer der Nation, immer gesagt. Aber hier lässt niemand die Muskeln spielen. Hier rauschen abstrakte Wörter über die Köpfe des Publikums hinweg. Das Gehirn schaltet entweder direkt in den Vermeidungsmodus (Handy raus, Emails checken, Gespräch mit dem Sitznachbarn) oder es wird anstrengend. Dann wiederum wird das Schmerzzentrum aktiviert. Unterm Strich: Zuhören macht bei solchen Reden keinen Spaß.

Will Dobrindt im Wahlkampf für die CSU punkten, muss noch viel passieren. Auf Seiten der Redenschreiber und mit Blick auf seine eigene Leidenschaft.

Der BMTD ist unabhängig, überparteilich und ausschließlich der professionellen Kommunikation verpflichtet. Die Auswahl der Interviewpartner und ihrer Zitate sowie die entsprechenden Bewertungen erfolgen ausschließlich nach den BMTD-Empfehlungen für einen erfolgreichen Auftritt und sind deswegen kein Ausdruck einer politischen Richtung.

Autorin

BMTD

Dr. Katrin Prüfig

Kontakt: www.die-medientrainer.de

Weitersagen!

Empfehlen Sie diesen Artikel: