Wahl-Blog 2017: Dietmar Bartsch, Spitzenkandidat von Die Linke, spricht überlegt und bekommt deshalb seine wichtigste Botschaft platziert.


Von der Kunst, Kernaussagen zu formulieren und sich Verhandlungsspielraum zu verschaffen.

Juliane Hielscher, 12.06.2017

Am Wochenende hat DIE LINKE auf dem dreitägigen Parteitag in Hannover ihr Wahlprogramm beschlossen. Und woran sind Journalisten interessiert? Nicht an den Plänen zu einem sozialen, gerechten und friedlichen Miteinander – sondern an der Frage, ob DIE LINKE innerhalb einer Koalition mitregieren will. Während Spitzenkandidatin Sahra Wagenknecht in ihrer rhetorisch starken Rede den möglichen Partnern aus dem grün-roten Spektrum eine mehr als deutliche Absage erteilt, drückt sich Dietmar Bartsch geschickt aus und sorgt dafür, dass alles möglich bleibt.

Dietmar Bartsch im Tagesschau-Interview

Am Wochenende hat DIE LINKE auf dem dreitägigen Parteitag in Hannover ihr Wahlprogramm beschlossen. Und woran sind Journalisten interessiert? Nicht an den Plänen zu einem sozialen, gerechten und friedlichen Miteinander – sondern an der Frage, ob DIE LINKE innerhalb einer Koalition mitregieren will. Während Spitzenkandidatin Sahra Wagenknecht in ihrer rhetorisch starken Rede den möglichen Partnern aus dem grün-roten Spektrum eine mehr als deutliche Absage erteilt, drückt sich Dietmar Bartsch geschickt aus und sorgt dafür, dass alles möglich bleibt.

„Wenn es denn von den Wählerinnen und Wählern einen Auftrag gibt, dann ist es selbstverständlich, dass wir in Gespräche gehen und dass wir Kompromisse gegebenenfalls finden werden. Aber das ist Punkt 3. Ich möchte mit Punkt 1 beginnen: Erfolg der Linken...“ sowieso alles im grünen Bereich ist.

Die relevante Passage finden Sie bei Minute 8.55 – 9.10

Wie der Satz weitergeht, hören wir nicht. Denn der O-Ton wurde an dieser Stelle abgeschnitten. Auch langjährige Erfahrung mit Medienvertretern hilft hier nicht. Auf die Wahl des Gesprächsausschnitts hat der Interviewte keinerlei Einfluss. Und dennoch stellt der Politiker klar, dass die Koalitionsfrage nicht so wichtig ist, wie das Wahlprogramm – obwohl er dazu nicht mehr zu hören ist. Und so ganz nebenbei macht er deutlich, dass eventuelle Koalitionswünsche von Wählern ernst genommen werden und sich diese natürlich auch diplomatisch umsetzen ließen. Damit öffnet er die von Mitkandidatin Wagenknecht zugeschlagene Tür, ohne ihr zu widersprechen oder sie gar in der Öffentlichkeit zu beschädigen. Das ist für einen Interviewschnipsel von fünfzehn Sekunden eine recht beachtliche Leistung.

Der BMTD ist unabhängig, überparteilich und ausschließlich der professionellen Kommunikation verpflichtet. Die Auswahl der Interviewpartner und ihrer Zitate sowie die entsprechenden Bewertungen erfolgen ausschließlich nach den BMTD-Empfehlungen für einen erfolgreichen Auftritt und sind deswegen kein Ausdruck einer politischen Richtung.

Autorin

BMTD

Juliane Hielscher

Kontakt: www.juliane-hielscher.de

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