Wahl-Blog 2017: Grün, grün, grün sind alle meine Kleider, grün, grün, grün ist alles, was ich hab....


Aber reicht das? Die Spitzenkandidaten von Bündnis 90/ Die Grünen mühen sich nach Kräften ihre politische Identität in den Vordergrund zu rücken und befinden sich vielleicht gerade deshalb in einer Krise.

Juliane Hielscher, 22.05.2017

Katrin Göring-Eckardt und Cem Özdemir könnten als Spitzenduo das Traumpaar der deutschen Politik sein. So vieles machen sie richtig, so vieles stimmt bei ihnen. Beide sind Anfang fünfzig, also in einem Alter, wo man von der Jugend (manchmal) noch akzeptiert und von der älteren Generation (endlich) ernst genommen wird. Beide sind Polit- und Medienprofis durch und durch, blicken sie doch jeweils auf rund 30 Jahre politische Praxis zurück. Beide stehen für etwas und betonen dies. In ihrer Videovorstellung auf der Webseite der Grünen zeigen sie sich als Menschen mit individueller Geschichte. Das schafft Nähe und Vertrauen.

Katrin und Cem – das Spitzenduo von Bündnis 90/Die Grünen stellt sich vor. Quelle: https://www.gruene.de/ueber-uns/2017/unser-spitzenduo-fuer-die-bundestagswahl-2017.html

Wir sehen zwei engagierte, authentische und überzeugende Menschen. Sie hat Wurzeln in der DDR und begründet damit glaubhaft das Thema Freiheitskampf. Er positioniert sich als anatolischer Schwabe für Integration und europäischen Zusammenhalt. Und für Bio, Öko und Klimaschutz sind natürlich sowieso alle beide. Die Kernbotschaften sind klar und stark:

„Wir wollen unser Land nach vorne bringen, ökologisch gerecht und weltoffen.“ Klingt so gut, dass sich damit eigentlich eine Bundestagswahl gewinnen lassen müsste. Und dennoch kommt ihre Partei bei den aktuellen Umfragen nicht besonders gut weg.

Woran mag das liegen? Vermutlich eben doch genau an den Inhalten der Kernbotschaften. Deutsche Wähler fühlen sich im Allgemeinen frei. Der Freiheitskampf lockt sie folglich nicht zur Stimmabgabe. Die Integrationsfrage ist derzeit ein heißes Eisen. Viele Bürger zweifeln am Gelingen und der Sinnhaftigkeit. Damit plagt sich sogar die Kanzlerin. Soziale Gerechtigkeit und Bildung stehen ebenfalls im grünen Parteiprogramm. Doch selbst die SPD kann hier derzeit kaum einen Blumentopf gewinnen. Was der Partei also bleibt, ist das grüne Herz, das Kernthema aus der Gründungsphase Anfang der 80er Jahre.
Und das reicht halt nicht in einer Zeit, in der Umweltbewusstsein bereits viele gesellschaftliche Bereiche verändert hat. Der Atomausstieg ist beschlossene Sache, Feinstaubplaketten gibt es in mehr als 30 Städten, die Ära von Elektromobilität und Carsharing ist eingeläutet, die Energieeinsparverordnung gilt, Biosupermärkte schießen wie Pilze aus dem Boden und jeder Discounter wirbt mit regionalen Produkten aus ökologischem Anbau. Mit anderen Worten: die Akzeptanz der grünen Themen ist innerhalb der deutschen Bevölkerung recht groß. Deshalb mögen viele Wähler denken, dass hierzulande in Sachen Öko sowieso alles im grünen Bereich ist.

Kernbotschaften müssen die Menschen ins Mark treffen, um sie an die Wahlurnen zu treiben. Denn das Gefühl entscheidet, mit dem Gefühl geht man wählen – nicht zwingend nur mit dem Kopf. Das aktuelle Lebensgefühl der Deutschen wird – wenn man den Ergebnissen der Landtagswahlen und den Umfragen glaubt - vom Spitzenduo Katrin und Cem derzeit in zu geringem Maße angesprochen.

Der BMTD ist unabhängig, überparteilich und ausschließlich der professionellen Kommunikation verpflichtet. Die Auswahl der Interviewpartner und ihrer Zitate sowie die entsprechenden Bewertungen erfolgen ausschließlich nach den BMTD-Empfehlungen für einen erfolgreichen Auftritt und sind deswegen kein Ausdruck einer politischen Richtung.

Autorin

BMTD

Juliane Hielscher

Kontakt: www.juliane-hielscher.de

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