Wahl-Blog 2017: Der Großvater und das Mädchen


Das neue AfD-Duo Alice Weidel und Alexander Gauland steht für die unterschiedlichen Strömungen in der Partei. Und auch im öffentlichen Auftritt kommen beide unterschiedlich „rüber“.

Prof. Stefan Korol, 24.04.2017


Das AfD-Duo Alice Weidel und Alexander Gauland im Interview-Check (Phoenix, 23. April 2017)

Hollywood hätte es nicht besser inszenieren können: Bedrohung von außen (sinkende Umfragewerte und Zehntausende Demonstranten). Die Protagonisten zerfleischen sich gegenseitig. Die bisherige Heldin scheitert; die Schlacht scheint verloren. Und dann, aus dem Chaos und der Niederlage, formt sich neue AfD-Hoffnung. Mit dem Team Alice Weidel und Alexander Gauland kann die rechtsextreme Partei ihren Parteitag, was den öffentlichen Eindruck angeht, doch noch als Erfolg werten. Nun wird die AfD von zwei Köpfen geführt, die medial unterschiedlich, auf ihre Art aber eine ideales Duo sind:

Der konservative Gauland steht für eine versöhnliche Kommunikation. Geduldig hört er den Journalisten-Fragen zu, antwortet dann sofort, aber ohne hektisch zu wirken, weist Vorwürfe und Unterstellungen gelassen zurück: „Das sehe ich nicht so“, „Also langsam….,“, „Wir machen doch alle mal Fehler…“ und nennt dann Gründe, weshalb die Vermutungen des Journalisten nicht zutreffen. Mit seinem Auftritt und seinen Antworten verfolgt er ein klares Ziel: Die Partei als geeint darzustellen, angesprochene Differenzen zu glätten. Formal punktet Gauland mit seiner Authentizität: Dieser Mann verstellt sich nicht. Auch seine altbackenen, karierten Sakkos sind Ausdruck davon. Bei so viel Gelassenheit und Authentizität kann er sicher auch ignorieren, was ihm ein Medientrainer noch als Tipp geben würde: Mehr den Gesprächspartner ansehen. Und vielleicht ein Lächeln als Zeichen der Sympathie und Wertschätzung für den Journalisten?

Aber da bleibt Gauland ja in der Tradition der AfD-Gesichter: Parteigründer Bernd Lucke ist ebenso wenig ein Lächler (gewesen), wie es Frauke Petry ist: Lucke sehr engagiert, aber eben immer auch ein bisschen aufgeregt. Mit angespannter, eher hoher Stimme. Mit-ei-ner-Be-to-nun-auf-fast-je-der-Silbe. Ohne große Mimik und Gestik. Petry: Zwar auch mit einem Lächeln hin und wieder. Aber vor allem hart in der Sache. Und damit im Eindruck verbissen.

Dann aber, nach dem Großvater Gauland (dem hektischen Lucke und der verbissenen Petry) kommt – das Mädchen. Ja, klingt chauvinistisch, soll aber nur den großen Unterschied aufzeigen zwischen Alexander Gauland und Alice Weidel. Am Pult auf der AfD-Bühne wirkt auch sie anstrengend. Betont jede Silbe, in der Wirkung sehr künstlich. Doch anders als Gauland nennt sie klare Botschaften. Ihre. Und die der AfD. Und die bringt sie von sich aus. Vielleicht auch (moderne Kommunikation) weil sie sie vorbereitet hat.

Frage: “Die AfD im Umfragetief. Wollten Sie mit Ihrer Rede der AfD Mut zusprechen?“ – „Nein, überhaupt nicht.“ Und Weidel legt sofort nach: „Unser Ziel ist es, die AfD mit maximaler Fraktionsstärke als Opposition in den deutschen Bundestag hineinzubringen. Und was wir gestern und heute gemacht haben, sind nun die besten Voraussetzungen, um in den Wahlkampf zu starten.“ Frage: „Wollen Sie Opposition machen um jeden Preis?“ – „Aber natürlich.“ Mehr nicht. Fertig. Blickkontakt zum Journalisten. Leichtes Lächeln. Könnte interpretiert werden als: Na komm Junge, nächste Frage, nächste Runde. Die nutzt Weidel, um auch ihre nächste Botschaft noch rüberzubringen: „Wir machen ab 2017 Opposition. Und frühestens 2021 sind wir koalitionsfähig. Diese vier Jahre brauchen wir, um die AfD zu entwickeln, damit wir das dann ab 2021 auch gut können.“

Der Großvater und das Mädchen: Nach dem Gauland-Interview haben Zuhörer im Kopf, dass er ein netter, versöhnlicher Mensch ist, der alle Unterstellungen zurückweist. Nach dem Weidel-Interview haben Zuhörer im Kopf, dass die AfD einen klaren Fahrplan für Einzug und Arbeit im Bundestag hat.

Der BMTD ist unabhängig, überparteilich und ausschließlich der professionellen Kommunikation verpflichtet. Die Auswahl der Interviewpartner und ihrer Zitate sowie die entsprechenden Bewertungen erfolgen ausschließlich nach den BMTD-Empfehlungen für einen erfolgreichen Auftritt und sind deswegen kein Ausdruck einer politischen Richtung.

Autor

BMTD

Prof. Stefan Korol

Kontakt: www.medientraining.info

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