Kinkerlitzchen und Fisimatenten - Tipps zur Wortwahl


Wer in Gesprächen einen bleibenden Eindruck hinterlassen möchte, darf bei seiner Wortwahl gerne auf Vokabeln zurückgreifen, die etwas aus der Mode gekommen sind. Bei Interviews und anderen Medienauftritten sieht es anders aus.


„Kinkerlitzchen“ – eine Kollegin benutzte das Wort kürzlich in einem Facebook-Post. Ich hatte es in meiner Kindheit schon oft gehört, seit gefühlten Jahrzehnten aber nicht mehr und sah es nun zum ersten Mal geschrieben. „Kinkerlitzchen“ – ein schönes, weil so besonderes Wort. Es steht für Kleinigkeit, etwas Unbedeutendes, das wusste ich. Aber wo kommt es her? Wikipedia weiß mehr und schreibt, dass es aus dem Französischen kommt. Von „la quincaillerie“, der umgangssprachlichen Bezeichnung für ein wertloses Schmuckstück. Also ist „Kinkerlitzchen“ eine Hinterlassenschaft der Hugenotten bzw. der napoleonischen Truppen in der deutschen Sprache. Hätte ich auch drauf kommen können.

Eine Einladung ins Zelt kreierte ein neues Wort

Denn mein schrägstes Lieblingswort im Deutschen kommt auch aus dem Französischen: „Fisimatenten“. Kaum jemand benutzt es heute noch. Ich hingegen baue es bewusst immer mal wieder in Medientrainings oder Moderationen ein, habe es sogar mal am Ende einer Fernsehsendung dem Zuschauer mit auf den Weg gegeben. „Tschüss – und machen Sie keine Fisimatenten!“ Die älteren Zuschauer werden es hoffentlich noch verstanden haben. „Machen Sie keinen Unsinn, machen Sie keine Faxen!“ Dabei wäre die richtige Übersetzung wahrscheinlich eher: „Huren Sie nicht rum!“ Denn „Fisimatenten“ soll abgeleitet sein von „Visiter ma tente!“ – „Besuchen Sie mein Zelt!“. Die napoleonischen Soldaten sollen so die deutschen Fräuleins eingeladen haben, mit Ihnen Unzüchtiges zu tun. Und so warnten – der Legende nach – die preußischen Mütter ihrer Töchter mit dem Spruch: „Mach mir ja keine Fisi ma tenten!“

Altmodische Wörter sind guter Gesprächseinstieg

Beide Wörter, „Kinkerlitzchen“ und „Fisimatenten“, sind aus der Zeit gefallen, sind altmodisch, das weiß ich sehr wohl. Aber ich möchte hier eine Lanze für sie brechen! Geben Sie ihnen auch 200 Jahre nach ihrer Entstehung eine Chance und verwenden Sie sie hin und wieder! Die Aufmerksamkeit Ihres Gegenübers ist Ihnen gewiss. Und wenn dieser Gesprächspartner ein interessierter ist, dann sind diese zwei merkwürdig eingedeutschten Wörter mit Geschichte ein guter Einstieg ins Gespräch. Denn dann will er sicher wissen, was sie bedeuten oder wo sie herkommen.

Der Einsatz in einem Interview für Radio oder Fernsehen dagegen ist eher nicht zu empfehlen. Denn da kann der Hörer oder Zuschauer ja nicht nachfragen und bleibt manchmal ratlos zurück.

Autor

BMTD

Daniel Baumbach

Kontakt: medienspezialist.com

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