Schulz statt Gabriel


Stefan Klager, 25.01.2017

5 kritische Fragen - 5 souveräne Antworten

Ein Paukenschlag sei es, so die Moderatorin der ARD-Sondersendung „Brennpunkt“, dass der amtierende SPD-Chef Sigmar Gabriel Martin Schulz den Vortritt als Parteichef und Kanzlerkandidat lässt. Weniger die Entscheidung als solche war ein Paukenschlag, schon eher, dass Gabriel diese Info dem „stern“ steckt, bevor er Fraktion und Partei darüber in Kenntnis setzt. Zündstoff für einen Brennpunkt - und so sind die Fragen an den stellvertretenden SPD-Bundesvorsitzenden Ralf Stegner auch eher gegen den Strich gebürstet: „Was ist da schief gelaufen?“ „Das ist ja ein ziemliches Chaos.“ „Die Menschen sind auf 180.“ „Gabriel hatte schlechte Umfragewerte.“ „Was kann Schulz besser als Gabriel?“

Der Moderatorin gegenüber steht ein Stegner, der nur so strotzt vor Selbstbewusstsein, Souveränität und Schlagfertigkeit. Er fühlt sich durch die Fragen offensichtlich alles andere als bedrängt, im Gegenteil. Er hat Spaß daran, seine Botschaften zu platzieren. Was nach dem Interview beim Zuschauer hängenbleibt, ist der Eindruck: Ja, die Entscheidung war offenbar richtig. Wie sie zustande gekommen ist, ist eigentlich egal, denn das Ergebnis zählt. Und: Stegner kommt sympathisch, souverän und - auf die Bundestagswahl bezogen - siegessicher daher.

So überzeugend, dass die Moderatorin mit ihren Fragen schon fast hilflos wirkt, denn bei jeder Frage scheint Stegner zu punkten. Scheint. Denn genaugenommen hat Stegner die Fragen nur im Ansatz beantwortet und stattdessen seine Botschaften gesetzt.

Auf die erste Frage, was schief gelaufen sei, sagt Stegner relativ lässig, die Öffentlichkeitsarbeit habe vielleicht nur einen Punkt verdient, aber das Ergebnis sei gut und richtig.
Zweite Frage bzw. Feststellung: Fraktions- und Parteimitglieder sind auf 180! Stegner: Das sei in drei Tagen vergessen. Wichtig sei es, in acht Monaten die Bundestagswahl zu gewinnen. Schon fast etwas hemdsärmelig geantwortet, aber warum nimmt keiner Stegner diese Antwort krumm? Weil er Sympathiepunkte sammelt. Er strahlt, seine Mimik und Gestik kommuniziert positiv mit. Seine Formulierungen sind verständlich, wenn auch die Sprechgeschwindigkeit grenzwertig hoch ist.
Die dritte Frage bzw. der Hinweis, dass Gabriels Umfragewerte schlecht seien, kontert Stegner mit einer Lobeshymne auf Gabriels Leistung in den vergangenen Jahren.
Viertens: Die Aufforderung, Gabriel und Schulz zu vergleichen. Stegner geht ausschließlich auf die Vorzüge von Martin Schulz ein, ohne dass es wie eine Abwertung Gabriels wirkt. Die fünfte und letzte Frage: die nach der Personal-Rochade. Warum Gabriel Außenminister werden soll? Antwort: Weil der amtierende Außenminister (SPD) Bundespräsident wird. Und jetzt strahlt sogar die Moderatorin mit Stegner um die Wette.

1:0, Herr Stegner. Kritische Fragen perfekt gekontert- mit rhetorisch legitimen Mitteln, aber auch durch Ausstrahlung und ein gesundes Maß an Lockerheit.

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Autor

BMTD

Stefan Klager

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