Schönes Produkt – schlecht verpackt


Stefan Korol, 10.11.2015

DFB-Vizepräsident Rainer Koch im ARD-Brennpunkt zum Rücktritt von Wolfgang Niersbach (9. November 2015)

Gekauft, weil es einfach gut aussah – und dann doch ein bisschen Enttäuschung, weil der Inhalt mit dem Glanz und Glitter der tollen Verpackung nicht mithalten kann: Solche Käufe, solche Situationen kennen wir. Bei Rainer Kochs Interview gestern im ARD-Brennpunkt war es anders herum: In der Sache war sein Auftritt in Ordnung. Leider aber war die Verpackung so schlecht, dass der gute Inhalt am Zuschauer vorbei ging.

Schon das erste Bild liefert keinen guten Eindruck. Rainer Koch ist ein ganz normal aussehender Mensch und hat von daher gute Voraussetzungen, auch im Fernseh-Interview „gut rüberzukommen“.

Aber leider werden in seinem Interview die Eigenschaften und damit Tücken des Mediums Fernsehen deutlich:
Zwei verklebte Haarsträhnen liegen quer über der Stirn, auf seinen nicht entspiegelten Brillengläsern tanzen oben links zwei Scheinwerfer-Reflexe, der nur dünne Oberlippenbart wirkt durch die mobile und dadurch natürlich nicht exakte Ausleuchtung wie einfach nur schlecht rasiert – der Mann sieht aus wie durchgesumpft. Dazu flackern gelegentlich Lichter durch den Hintergrund und über das dort montierte DFB-Logo.

Und auch der Ton wirkt nicht Vertrauen erweckend. Koch spricht schnell, zu schnell. Viel zu schnell. Lange Schlangensätze, offenbar spontan eingefallen und geäußert. Die Stimme durchgängig oben. Keine Pausen. Er hetzt durch seine Antworten. Und wirkt gehetzt. Offenbar von denen, die Koch immer wieder mit einem kurzen, schnellen Blick nach rechts oder links zu fragen scheint: „Ist das so okay, habe ich das richtig gemacht?“ Sehr mysteriös – dieser DFB.

Wo sind seine Boschaften? Hat er keine? Doch. Aber die verstecken sich hinter und ganz tief in dieser schlechten Verpackung. „Es gibt keine Anhaltspunkte dafür, dass Wolfgang Niersbach als Person involviert war in Vorgänge, die wir aktuell dabei sind aufzuklären.“ Gute Antwort. (Dass dieser Satz in sich unlogisch ist – geschenkt.) „Ich möchte um Verständnis bitten, dass wir momentan noch keine genauen Details dazu geben können.“ Ist zwar eine Standard-Antwort in solchen Fällen, aber immerhin. Und es gibt andere Sätze und Antworten, mit denen Koch den DFB gut präsentieren könnte.
Aber auch die kommen nicht an gegen die schlechte Verpackung und schaffen es nicht in Kopf und Bauch des Zuschauers.

Erst ganz am Ende des Interviews beendet Koch das Rennen gegen sich selbst.
Frage: „Sie sind jetzt Präsident – stehen Sie denn für rückhaltlose Aufklärung?“ Und schon bei der Frage lächelt Koch und er setzt dieses Lächeln fort bei seiner Antwort: „Ich bin nicht Präsident und ich werde nicht Präsident.“ Und dann beschreibt er mit entspanntem Gesicht die Einzelheiten zu der weiteren Arbeit des DFB-Präsidiums.

Was für ein sympathischer Mann. Auch wenn er aussieht wie durchgesumpft.

Autor

BMTD

Stefan Korol

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