Von nix gewusst


Warum Menschen, die von den Medien beobachtet werden, die Medien beobachten sollten.

Kathrin Adamski, 04.05.2017



Eines vorweg: der Protagonist dieses Blogs - Christian Streich - hat mit seinem Auftritt in den Sky-Sport-Nachrichten die Sympathie der Zuschauer auf seiner Seite. Er ist mehr als authentisch, er ist untypisch, uneitel und er menschelt. Aber nicht nur das. Es schwingt auch ein wenig Mitleid mit, wie der gebürtige Badener und Trainer des Fußballerstligisten SC Freiburger auf die Frage eines netten Journalistenkollegen der SkySportNews am 27.4.2017 ins Schwimmen gerät. Der hatte ihm folgende Frage gestellt: „Letzte Woche schlagen Sie Leverkusen, jetzt taucht die Meldung auf, von einem Magazin, das sagt, Sie ständen auf der Liste von Bayer Leverkusen als Top-Kandidat. Wie finden Sie so was und wie finden Sie dieses Gerüchte-Gehasche?“

„Wie ich? Bei Bayer Leverkusen... weil wir jetzt einmal gewonnen haben gegen Leverkusen...“ Christian Streich ist sichtlich überrascht. „Und wo steht das?“. Der Reporter: „In der SportBild.“.

„Ah...“ Pause. Es folgt Luft schnappen, um Worte Ringen, Schulter zucken, Blicke in alle Himmelsrichtungen werfen, stammeln. „Also ich, äh, ja also ich will den Leuten ja nicht zu nahe treten... man muss ja irgendwas schreiben... normalerweise steht da immer Markus Weinzierl und alle anderen. Jetzt steh ich auch mal drin..." Der Reporter lacht.

„Wissen Sie, ich hab´s nicht gewusst, weil mir sagt´s auch niemand, weil´s dann...“ Er ringt wieder nach Worten, weiß nicht, was er sagen soll, zuckt die Schultern. Der Reporter hilft: „...weil Sie es auch nicht gern hören wollen...“

Streich: “nein...weil´s, weil´s völlig...“ - Schulterzucken - „ja es ist einfach... es ist einfach nicht so... ich weiß von nix, ich krieg keine Anrufe, das ist auch gut so...“ Pause, Schultern zucken. Streich ist völlig überfordert, weiß nicht, ob er sich über diese Nachricht freuen soll. Spätestens jetzt hat man als Zuschauer Mitleid, möchte Streich am liebsten durch die Mattscheide unter die Arme greifen, ihn aus der misslichen Lage befreien.

„Und ich bin in Freiburg… das hat keine Bedeutung für mich... Sie sehen, ich hab´s über Sie erfahren... ich hab´s gar nicht gewusst.“

Jetzt erst legt sich das Überraschungsmoment. Streich wird wieder ruhiger. Nach eineinhalb Minuten kommunikativ über Wasser halten, um nicht im Stress der Gedanken zu ertrinken. Es folgen dann noch ein paar Worte, dass er sich doch irgendwie darüber freut, dass so was berichtet wird und er genannt wird. Er lacht sogar herzhaft und endet dann mit den einzig klaren Worte: „Aber es hat nix mit der Realität zu tun.“

Zugegeben, so einen wie Christian Streich findet man selten in der Sportwelt und schon gar nicht im Fußball, wo es von eitlen Menschen, Phrasendreschern und Posern nur so wimmelt. Und obwohl Christian Streich die Herzen der Zuschauer mit dem Auftritt gewonnen hat, er hätte sich deutlich weniger Stress machen können, hätte er in DAS „Fachblatt des Fußballs“ wenigstens mal einen Blick geworfen oder jemanden beauftragt, der ihm sagt, was da aktuell und vor allem über IHN selbst drinsteht. Dann hätte er - vermutlich genauso sympathisch -, aber mit deutlich weniger Stress auf diese Situation reagieren können. Sich selbst mal zu googlen oder einen persönlichen Medienspiegel zu erstellen hilft, Stress zu vermeiden. Merke: Willst Du nicht auf dem linken Fuß erwischt werden – auch wenn es „nur“ um Gerüchte geht - dann mach dich regelmäßig schlau, was im Netz und in den Medien über Dich berichtet wird.

Hier finden Sie das Interview: https://www.facebook.com/SkySportNewsHD/videos/1438968799474648

Der BMTD ist unabhängig, überparteilich und ausschließlich der professionellen Kommunikation verpflichtet. Die Auswahl der Interviewpartner und ihrer Zitate sowie die entsprechenden Bewertungen erfolgen ausschließlich nach den BMTD-Empfehlungen für einen erfolgreichen Auftritt und sind deswegen kein Ausdruck einer politischen Richtung.

Autorin

BMTD

Kathrin Adamski

Kontakt: www.redefluss.de

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