Was Journalisten an Pressesprechern am meisten nervt


Im Medientrendmonitor 2017 haben knapp 2000 Journalisten und Journalistinnen darüber Auskunft gegeben, was sie an Pressesprecher*innen am meisten nervt - in unserer Zusammenfassung erfahren Sie, was Sie daraus lernen können.


Ute Emmerich, 31.08.2017

Der Medien-Trendmonitor von news aktuell und Faktenkontor präsentiert die Ergebnisse einer Online-Befragung unter 1.740 Journalistinnen und Journalisten. Diese Auswahl an Ergebnissen bietet viele Ansätze, den eigenen Umgang mit der Presse auf den Prüfstand zu stellen:

  • 51 % der Pressesprecher reagieren überhaupt nicht auf Anfragen - und das, obwohl sie die Medien für die Berichterstattung brauchen.

  • 45 % liefern Journalisten nur Lobhudeleien und Superlative - anstatt der erforderlichen Fakten. Offenbar verstehen diese Pressesprecher ihren Job vollkommen falsch: Ihre Aufgabe ist nicht Marketing und Werbung, sondern Öffentlichkeitsarbeit. Seriöse Journalisten lassen sich nicht vor den Karren von Unternehmen spannen, sondern berichten sachlich, um ihre Zielgruppen zu informieren.

  • Immer noch versenden 40 % unprofessionelles Pressematerial - das sollte eigentlich Thema einer Ausbildung zum Pressesprecher sein - und es gibt gute Workshops zur Presse und Öffentlichkeitsarbeit. Merke: wer mangelhaftes Pressematerial herausschickt, landet in Ablage P, aber garantiert nicht in den Medien.

  • Mit komplizierten Autorisierungen nerven 39 %. Das muss nicht sein. Es ist verständlich, dass jemand die eigenen Aussagen gegenlesen möchte. Und wenn etwas unverständlich ist oder falsch wiedergegeben wurde, kann es auch korrigiert werden. Das wird (und sollte!) kein Journalist verweigern. Allerdings sollte so etwas im Vorfeld eines Interviews abgesprochen werden.

  • 23 % sind nach Versand einer Pressemitteilung nicht erreichbar. Manchmal kann man sich nur wundern: Journalismus ist ein tagesaktuelles Geschäft. Das sollten Pressesprecher*innen eigentlich wissen und damit rechnen, dass sie kurzfristige Reaktionen erhalten. Wer dann nicht auffindbar ist, hat den Medien möglicherweise ein schönes Thema geliefert - interviewt werden jedoch Mitarbeiter anderer Unternehmen: nämlich diejenigen, die den Hörer abnehmen.

  • Fehlende Unterstützung bei Recherchen - 21 %: Auch das ist erstaunlich: wer nichts zu verbergen hat, kann Journalisten entspannt bei der Recherchearbeit unterstützen. Ein fundierter Bericht hilft schließlich dabei, das eigene Unternehmen in seinem Umfeld gut darzustellen.

  • Belegexemplare einfordern: 6 %. „Einfordern“ ist sicher nicht die charmanteste Art, aber dass Pressestellen Belegexemplare bekommen, auch ohne darum zu bitten, sollte selbstverständlich sein. Das dieses Bedürfnis häufig ignoriert wird, gehört vermutlich und verständlicherweise zu den Top Ten, die Pressesprecher an Journalisten nerven.

Fazit

Die Ergebnisse dieser Umfrage stimmen mit den Erfahrungen überein, die ich als Medientrainerin täglich mache. Es ist erstaunlich, dass Pressearbeit in vielen Unternehmen immer noch ein Buch mit sieben Siegeln zu sein scheint. Dabei ist das gar nicht so schwer:

Wer Pressearbeit macht, hat die Aufgabe, aktuelle Informationen, Inhalte, Entwicklungen und Besonderheiten aus dem Unternehmen zu kommunizieren und dafür zu sorgen, dass diese Themen in der Öffentlichkeit stattfinden. Damit das gelingt muss man wissen, was welche Medien/ Redaktionen interessiert, ihre Zielgruppen fest im Blick haben, seriös arbeiten, Themen faktenorientiert aufbereiten und Geschichten nicht aufblähen. Wer verschleiert, übertreibt, verfälscht oder versucht, Journalist*innen und Öffentlichkeit für dumm zu verkaufen, dem wird es nicht gelingen, gute Beziehungen zu den Medien aufzubauen. Und dann findet das Unternehmen nicht mehr in der Öffentlichkeit statt.

Wenn aber Journalisten und Pressestellen sich mit gegenseitigem Respekt, Verständnis und auf Augenhöhe begegnen und offen miteinander kommunizieren, profitieren beide Seiten davon: Journalisten haben interessante Themen, über die es sich zu berichten lohnt.

Und Pressesprecher?
Die bekommen die beste kostenlose Werbung, die es gibt - und das ist doch Ihr Ziel, oder?

Autorin

BMTD

Ute Emmerich

Kontakt: mediencoaching.tv

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