Gut verpackt: Heilige Journalismus-Kritik


Wie man Medienvertreter päpstlich in die Schranken weist

Dr. Katrin Prüfig, 20.03.2017

Die SPD hat einen Kanzlerkandidaten, der Wahlkampf ist endgültig eröffnet – und man braucht keine hellseherischen Fähigkeiten, um zu ahnen: In den kommenden Monaten wird nicht nur gegen den politischen Gegner geschossen, sondern auch in Richtung der Medien, die angeblich alles falsch verstehen (wollen), aus dem Zusammenhang reißen und in absurder Weise aufbauschen.
Kritik am Journalismus bzw. an konkreten Journalisten darf natürlich sein. Nur leider kommt sie meist mit dem Holzhammer daher. Und der Kritiker selbst wirkt oft wie eine beleidigte Leberwurst. Nicht schön!
In der ZEIT vom 9. März 2017 zückt ein fröhlich wirkender, entspannter Papst Franziskus im Gespräch mit Chefredakteur Giovanni di Lorenzo gleich mehrere Male das sprachliche Florett gegenüber dem Journalismus. Denn an drei Stellen hat er offenbar das Bedürfnis, einen Sachverhalt zu korrigieren.

1. Szene: Giovanni di Lorenzo fragt nach dem Bild mit dem seltsamen Namen „Maria Knotenlöserin“, das den Papst sehr inspiriert haben soll. Es hängt in einer Augsburger Kirche.


Franziskus: Nein, das stimmt nicht.
ZEIT: Das stimmt nicht?
Franziskus: Ich war nie in Augsburg.
ZEIT: Ich habe es in einer richtig guten Biografie über Sie gelesen!
Franziskus: Fast hätte ich gesagt: Typisch Journalisten! (lacht) Die Geschichte war so:….


2. Szene: Giovanni di Lorenzo fragt nach Franziskus‘ wahrer Berufung, wie er sie empfunden hat, kurz bevor er eigentlich heiraten wollte.


Franziskus: Aber nicht doch…!
ZEIT: Als Sie siebzehn waren…
Franziskus: …aber ich war nicht dabei zu heiraten! (lacht)
ZEIT: Zumindest hatten Sie eine Verlobte, ich habe das so gelesen.
Franziskus: Das stimmt, ich hatte eine Verlobte, aber Journalisten übertreiben – Verzeihung! (lacht)
ZEIT: Deshalb überprüfe ich doch jetzt auch alles!
Franziskus: Das ist gut. Es wird immer viel erzählt, aber ich bin ein ganz normaler Mensch.


3. Szene: di Lorenzo fragt nach dem Diakonat der Frau, das ein anderer hochrangiger Kirchenvertreter in einem Interview für möglich hält.


Franziskus: Ich will Ihnen sagen, wie es war, denn es gibt – bei allem Respekt – diesen Informationsfilter namens Journalisten. Die Sache war so: …

Interessant ist die Wortwahl, in der Franziskus seine Kritik und die Richtigstellung vorbringt. Er navigiert haarscharf an einer Pauschalkritik „Typisch Journalisten!“ entlang, relativiert seine Worte zusätzlich durch ein Lachen und nennt Journalisten schließlich „Informationsfilter“. Es liest sich so, als begleite ein Augenzwinkern die jeweilige Kritik. Und: Der Papst stellt dann ganz sachlich dar, was seiner Meinung nach wirklich geschehen ist. D.h. er beißt sich zu keinem Zeitpunkt am Gegenüber (dem Journalisten) fest, sondern er weist zurück und bringt dann seine Botschaften. Wie „Maria Knotenlöserin“ lockert er die kommunikativen Knoten. Souverän und ohne die Gesprächsatmosphäre zu belasten. Beispielhaft.

Autorin

BMTD

Dr. Katrin Prüfig

Kontakt: www.die-medientrainer.de