Die Kraft guter Vergleiche


Warum eine gut gewählte Analogie das Verständnis erleichtert

Dr. Katrin Prüfig, 23.01.2017

Auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos ist Donald Trump allgegenwärtig. Und das ohne selbst da zu sein. Seine Drohung, Strafzölle auf Importwaren zu erheben, wird unter Experten heftig diskutiert. Der Präsident des Instituts für Weltwirtschaft in Kiel, Dennis Snower, spricht sich im ZDF-Interview ausdrücklich gegen diese Zölle aus: „Das ist als würde man um eine Fabrik herum Stacheldraht ziehen. Niemand könnte, wollte mit dieser Fabrik zusammenarbeiten. Oder noch schlimmer: Als würde man um die Produkte in dieser Fabrik Stacheldraht ziehen. Niemand würde sie haben wollen.“ So hat Snower in rund 15 Sekunden die zerstörerische Wirkung von Strafzöllen anschaulich gemacht.


Prof. Dennis Snower im Gespräch mit Norbert Lehmann im Mittagsmagazin

Das Beispiel zeigt: Gerade in der öffentlichen Kommunikation lohnt es sich, über leicht verständliche Analogien aus anderen Themenwelten nachzudenken. Auch und gerade für sehr komplexe Zusammenhänge.

Ein weiteres Beispiel: Um zu erklären, wie sich die Plagiatsvorwürfe und –nachweise von Karl-Theodor zu Guttenberg, Annette Schavan und Ursula von der Leyen unterscheiden, kann man natürlich einen juristischen Diskurs beginnen. Oder man so veranschaulicht es so, wie ZEIT-Autor Martin Spiewak es mit einer Analogie aus dem Straßenverkehr tut: „Während Guttenberg in volltrunkenem Zustand Dutzende rote Ampeln überfuhr und Schaven ein paar Stopp- und Einbahnstraßenschilder ignorierte, hat Ursula von der Leyen zweimal im absoluten Halteverbot geparkt.“ Und schon hat der Leser ein Gefühl für die Schwere der Tat, oder? Als Trainerin gehören Vergleiche für mich zu den essentiellen „Zutaten“ guter Kommunikation. Und es ist mir ein Rätsel, warum viele Redner sie nicht häufiger einsetzen. Sie gehören unbedingt in die Vorbereitung eines Medienauftritts oder einer Rede. Denn: Gute Vergleiche fallen nur selten vom Himmel.

Das folgende Beispiel ist da vermutlich eine Ausnahme: Anfang der Woche telefonierte ich mit einem Kollegen aus der Redaktion. Er hatte ein schwieriges Gespräch mit einer Redakteurin hinter sich und musste Dampf ablassen. „Ein Gespräch mit DER ist wie Heizen bei offenem Fenster: totale Energieverschwendung!“ Dieser Vergleich sagt mehr als tausend andere Worte.

Autorin

BMTD

Dr. Katrin Prüfig

Kontakt: www.die-medientrainer.de

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