Die ganze Wahrheit


Katrin Röpke, 07.04.2016

Vom Umgang mit hartnäckigen Fragen und (fast) souveränen Antworten

Am 25. Februar 2016 brachte „Monitor“ einen Beitrag über die Grünen in Baden–Württemberg, darin O–Töne von Ministerpräsident Winfried Kretschmann. Er wirkt darin ungewohnt aufgebracht und barsch.

Mittlerweile ist das Interview in voller Dreh-Länge auf Meedia.de zu sehen. Es dauert ca. 9 Minuten und zeigt, was dazu geführt hat, dass Kretschmann im Monitor–Beitrag mit aufgerissen Augen, großer Geste und in fast schon abgehackter Art antwortet: Er wird immer wieder mit ein und derselben Frage, bzw. Behauptung konfrontiert.

Dabei beginnt es entspannt: Reporter und Ministerpräsident begrüßen sich, Kretschmann lächelt. Dann die erste Frage „Warum finden Sie eigentlich das Konzept von sicheren Herkunftsländern so gut?“ Kretschmann fragt zu Recht nach. Bei einer Unterstellung darf und sollte er das tun. Dann versucht er, einen Kompromiss zu erklären: „Nur weil man etwas zustimmt, heißt das nicht, dass man es auch gut findet.“ Der Wunsch nach Differenzierung lässt Kretschmann sperrig wirken.

Es folgen viele „Ja, abers“ vom Monitor–Reporter, im Wechsel mit „Aber Sie wissen ja ganz genau....“. Keine Fragen, sondern Behauptungen. Kretschmann wird ungeduldig. Dann schaltet sich seine Pressesprecherin mit einem Satz ein, der in Drehinterviews tabu ist: „Wir hatten was anderes vereinbart.“ Kretschmann reagiert richtig, indem er den Einwand seiner Pressesprecherin mit einem „Die können fragen, was sie wollen“ pariert. Absprachen im Vorfeld braucht man zur Klärung des Themas. Doch Absprachen vor Interviews bedeuten nicht, dass sich der Journalist daran hält und der Gefragte nur auf diese Fragen vorbereitet sein sollte.

Kretschmann bleibt bei allem Nachbohren und Unterstellen konsequent bei seiner Haltung. Ein „Ja, ich bin für das Konzept“ bekommt der Reporter nicht. Stattdessen: „Ich bin etwas erstaunt, was Sie von mir wollen...“ Hier hätte Kretschmann weitergehen können und sollen. Ein freundliches „Was wollen Sie von mir hören?“ oder „Ich weiß, Sie wollen etwas Bestimmtes von mir hören, und ich kann es Ihnen so einfach nicht sagen.“ Beides wären Strategien gewesen, die die Situation entzerrt, Kretschmann wieder Souveränität gegeben hätten.

Das ganze Interview zeigt, wie ein Reporter hartnäckig einen bestimmten O–Ton haben will. Und es zeigt, wie wichtig es ist, immer wieder durchzuatmen und freundlich-bestimmt seine Antworten zu wiederholen. Damit es eben nicht zu unwirschen, unfreundlichen und abgehackten Antworten kommt, die dann im Beitrag verwendet werden. Das verlangt Klarheit, Ruhe und gute Vorbereitung.

Hilft das alles nichts und scheint sich das Interview im Kreis zu drehen, nutzen Sie die Metaebene und sprechen Sie Ihr Gegenüber auf das an, was gerade in der Kommunikation schief läuft– wie Sie es im richtigen Leben sicher auch tun würden.

 

Das Ausgangsmaterial und den geschnittenen Beitrag finden Sie hier: 

Autorin

BMTD

Katrin Röpke

Kontakt:
medienundtraining.de