Englisch ist cool, Deutsch ist cooler – jedenfalls im Medienkontakt!


Dr. Katrin Prüfig, 17.05.2016

Viele Anglizismen schaffen Distanz, Verwirrung und nicht selten sogar medialen Spott

Oh dear! So toll es ist, dass deutsche Konzerne international aufgestellt sind: Es hat so seine kommunikativen Risiken und Nebenwirkungen. Englisch wird in vielen Chefetagen als Beimischung zum Deutschen als cool empfunden, als zeitgeistig, und es dient in der Tat der schnellen, internen Abstimmung, wenn alle dieselben Vokabeln drauf haben. Völlig irrig ist dagegen die Annahme, auch ein Zeitungsleser, Radiohörer oder TV-Zuschauer habe diese Vokabeln drauf. Oder auch nur die Lust, sie zu lernen. Und dennoch wimmelt es in so manchem Interview vor Anglizismen. Wir hören mal rein bei Frank Rausch, dem Deutschland-Chef des Paketdienstes Hermes (aus: Die ZEIT vom 4. Mai 2016):

„Er hat mit Managerkollegen Coworking spaces und Innovations Labs in Berlin besucht, um die (er sagt das alles so) Digital Natives kennenzulernen, ihre Open-Space-Büros, ihre Always-On-Mentalität ….Rausch möchte die Zustellung eines Pakets zum Event machen. Logistiker bräuchten einen Mind Change…“

Die ZEIT entlarvt den Branchensprech und das Alberne, das diesem Denglisch anhaftet. Zu Recht! Unreflektiert und in dieser Dichte eingesetzt, schaffen die Anglizismen bei vielen Lesern Verwirrung und Distanz. Dieser Hermes-Manager, mögen sie denken, ist offensichtlich in seinem eigenen Universum unterwegs und längst nicht mehr auf Augenhöhe mit DEM Verbraucher, dem seine Zusteller die Päckchen an die Haustür liefern. Was die sich wohl unter einem Event vorstellen?

Während die Handy-Hersteller noch die tollen neuen Features ihrer Geräte preisen, die sie gerade gelauncht haben, sind Features für TV-Zuschauer längere Dokumentationen. Während Börsianer einen Fonds loben, der gut performt, hören manche schon gar nicht mehr hin. Warum kann sich dieser Fonds nicht gut entwickelt haben? Warum ist er nicht einfach im Wert gestiegen? Und das deutsche Wort „Funktion“ ist auch kaum länger als das englische feature.
Denglisch, Anglizismen-Flut und überhaupt zu viele Fremdwörter: Ein guter Medientrainer wird darauf drängen, sie zu übersetzen. Das lohnt sich, denn Radio und Fernsehen sind sehr flüchtige Medien. Auf Anhieb verstanden zu werden, sollte das Ziel sein. Die eigene Botschaft im Kopf des Publikums zu verankern. Dafür ist kein Mind Change notwendig, sondern ein Umdenken – auf Seiten des Sprechenden.

Autorin

BMTD

Dr. Katrin Prüfig

Kontakt: www.die-medientrainer.de

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