BMTD-Blog: Nicht aufregen, Herr Löw!


Unzureichende Kommunikation ist auch keine Lösung

Stefan Klager, 09.07.2018


Jogi Löw nach der WM / Bildquelle: ARD-Mediathek

Erst mal wolle er nachdenken, sagt der Trainer der Fußball-Nationalmannschaft. Dann denkt er nach und kommt zu dem Schluss: Er bleibt Bundestrainer trotz des historisch schlechten Abschneidens seiner Mannschaft bei der WM. Er wird seinen Vertrag erfüllen. Aha, und was wird sich wann wie ändern? Keine Ahnung. Joachim Löw taucht erst mal unter. Urlaub machen. Einerseits verständlich, aber es stehen zu viele ungeklärte Dinge im Raum.

Was ist schiefgelaufen bei der Vorbeitung auf das WM-Turnier - und auch während der WM? Stimmt es, dass ein Riss zwischen den jungen Spielern und den Altstars entstanden ist? Wenn ja: Warum hat das Trainerteam das nicht verhindert? Löw schweigt. Warum durfte Mesut Özil selbst entscheiden, an dem Medientag nicht teilzunehmen? Löw schweigt. Stimmt es, dass Toni Kroos während der WM wegen einer Kino-Produktion von einem Film-Team begleitet wurde? Gerüchte, die Substanz zu haben scheinen, denn a) kommen sie von Insidern und b) äußert sich der DFB nicht dazu. Auch Löw schweigt. Macht erst mal Urlaub.

So sehr dem Bundestrainer sein Urlaub zu gönnen ist, in Sachen Krisenkommunikation hat der DFB - vor allem aber Joachim Löw - versagt. Abtauchen. Wegducken. Das sind die schlechtesten Berater, um Imageschaden abzuwenden. Ehrliche, gradlinige und zeitnahe Kommunikation nach oder in der Krise sind stattdessen gefragt.

Was passiert in der Wartezeit? Die Medien vergessen die drängenden Fragen? Weit gefehlt. Das Gegenteil wird der Fall sein. Die Fragen werden ein paar Wochen später bohrender und gnadenloser sein. Warum? Weil die Öffentlickeit eine faire Kommunikation - siehe oben - erwarten darf. Das Publikum erwartet zu Recht Erklärungen für das, was passiert ist - auch Aufarbeitung genannt - und Antworten, wie es nach Löws Vorstellungen mit der deutschen Nationalmannschaft weitergehen soll.

Diese Fragen werden nach dem Wiederauftauchen harscher sein denn je. Nicht mehr in Watte gepackt. Und dass das so ist, hat mit dem Verhalten Löws in der Krise zu tun: Erst mal abtauchen. Nein, Löw muss jetzt noch keine fertigen Lösungen präsentieren. Aber er hätte kurz nach der WM Bereitschaft zeigen sollen, mit der Öffentlichkeit zu kommunizieren.

Er taucht ab - und verspielt damit einen großen Teil seines (langsam schwindenden) Kredits. Nicht aufregen, Herr Löw, wenn die Medien demnächst nicht mehr so weichgespült reagieren. Das liegt dann einzig und allein an Ihrem schlechten Krisenmanagement, das Parallelen zum Auftreten der Mannschaft zeigt: Eigene Verteidigung instabil. Fehlender Drang, in die Offensive zu gehen. Ideenreichtum sowie Kreativität nicht sichtbar.

Der BMTD ist unabhängig, überparteilich und ausschließlich der professionellen Kommunikation verpflichtet. Die Auswahl der Interviewpartner und ihrer Zitate sowie die entsprechenden Bewertungen erfolgen ausschließlich nach den BMTD-Empfehlungen für einen erfolgreichen Auftritt und sind deswegen kein Ausdruck einer politischen Richtung.

Autor

BMTD

Stefan Klager

Kontakt: www.Der-KommunikationsCoach.de

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