Der ARD-Presseclub: Spannendes Thema – langweiliger Talk


Nicht nur WAS, sondern WIE kommuniziert wird, ist entscheidend

Stefan Klager, 28.05.2018


Der Presseclub / Screenshot ARD

„Chaos oder Strategie – wohin steuert Deutschland in der Flüchtlingspolitik?“ So der Titel der aktuellen Sendung „ARD-Presseclub“. Spannendes Thema für dieses Format, in der Journalisten die Diskutanten sind. Vielversprechend vor dem Hintergrund des sog. Masterplans von Bundesinnenminister Seehofer und im Schatten des aktuellen Skandals um das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge. Wer bis zum Schluss durchgehalten hat, ist enttäuscht: Es gab Diskutanten, die sich in vielen Details verloren, und einen Moderator, der sehr darauf achtet, dass keiner zu lange spricht, aber dadurch verhindert, dass eine lebhafte Diskussion in Gang kommt.

Volker Herres scheint in dieser Sendung das „1 x 1“ vergessen zu haben, wie eine Diskussion zu führen ist. Immer wieder grätscht er in die Ausführungen seiner Gäste. Ja, das ist durchaus sein Recht als Leiter der Gesprächsrunde, aber die Art wie er das tut, wirkt brutal und wenig wertschätzend: Ohne freundlich und bestimmt zu signalisieren, dass ihm das Statement zu ausufernd wird, erhebt er mitten im Satz einer gerade ausgeführten Antwort laut die Stimme und stellt einem anderen Gast eine Frage. Das ist schroff und wirkt unhöflich. Er nutzt ein legitimes Mittel, nämlich das des Unterbrechens, allerdings nicht im Sinne eines verbindlichen Diskussionsleiters. Das stößt den, der unterbrochen wird, vor den Kopf, aber auch den Zuschauer.

Herres ist inhaltlich gut vorbereitet. Zu gut. Denn er prügelt seine vorbereiteten Fragen durch. Zu selten greift er das Gesagte auf, um zu einem weiteren Aspekt überzuleiten. So kommt keine wirkliche Diskussion zustande. Stattdessen werden einzelne Fragen abgearbeitet und brav beantwortet.




Der Presseclub / Screenshot ARD

Auch die Körpersprache von Herres wirkt oft deplatziert: So stemmt er zum Beispiel seine linke Handinnenfläche auf die Stuhllehne, so dass der Ellbogen nach außen ragt. Als wolle er sich aufplustern, größer machen als er ist. Das wirkt arrogant und überheblich. Häufig guckt er seinen Gesprächspartner bei der Beantwortung der Frage nicht an. Der Blick geht stattdessen ins Leere. Dies sieht so aus, als höre er nicht zu.
Viele Kleinigkeiten, die aber in der Summe dazu führen, dass ich der Diskussion nur ungern folge. Kaum ein Zuschauer wird diese Sendung analysieren und sich bewusst machen, warum er die Diskussion als „nicht prickelnd“ wahrnimmt. Und es sind genau diese vielen Details, die zwar nichts mit Inhalten zu tun haben, aber der Zuschauer unbewusst registriert und bewertet.

Die etwas rüde Gesprächsführung hat auch zur Folge, dass der Zuschauer den Eindruck gewinnt, selbst die Mitdiskutanten würden lieber woanders sein als in dieser Runde sitzen. Das heißt, allein schon wie ein Moderator ein Thema einführt, ist verantwortlich für die Gesprächsatmosphäre. Ob er also ernst, verkniffen und schwerfällig ins Thema einsteigt oder so, dass jeder Lust aufs Thema bekommt, Spannung aufgebaut und Interesse geweckt wird.

Wolfgang Bok, freier Journalist und Politikwissenschaftler, kommt ruhig und gelassen ´rüber. Er hatte sich offensichtlich vorgenommen, seine Themen zu platzieren wie: „Die Flüchtlinge bekommen zu viel Geld und haben auch zu viele Möglichkeiten, ihr Recht einzuklagen“. Keiner muss diese Meinung teilen, aber er formuliert verständlich. Seine Botschaften bleiben hängen.

Von Gudula Geuther, Deutschlandfunk, wird in Erinnerung bleiben, dass sie weiß wovon sie spricht: analytisch und kompetent. Aber sie bringt zu viele Details ins Spiel, was zur Folge hat, dass sie die Zuschauer verliert; die wenigsten werden wirklich verstehen, was sie sagen will.

Albrecht von Lucke , Blätter für deutsche und internationale Politik, ist eloquent, spricht allerdings viel zu schnell und führt seine Gedanken nicht geradlinig aus; stattdessen verzettelt er sich, indem er immer wieder Nebensätze und Nebengedanken einschiebt.

Elisabeth Niejahr, Wirtschaftswoche, artikuliert klar und verständlich, hat aber in der Körpersprache und Mimik zu wenig Ausdruck. Das, was gesagt wird, ließe sich durch authentische Gestik und Mimik optimal unterstreichen. Die Aussagen bekämen so mehr Gewicht. Sie jedoch verliert oft den Augenkontakt mit dem Moderator, dem sie ja antwortet. Dies wirkt fahrig, obwohl sie inhaltlich strukturiert argumentiert.

Alle Beteiligten haben unbestritten ihre inhaltlichen Kompetenzen – dennoch transportiert die Runde Langeweile – und die entsteht auch ganz unabhängig von Inhaltlichem. Die Langeweile resultiert daraus, dass kein wirklicher Austausch stattfindet, dass die Leitung der Gesprächsrunde uninspiriert ist und dass es viele verquaste Formulierungen gibt – bei einem ohnehin komplexen Thema.

Volker Herres, der gute Vorbereiter, bedankt sich am Ende der Sendung für die „lebhafte Diskussion“ – auch diese Formulierung hatte er sich vorher zurechtgelegt, denn die Diskussion war, von einem Geplänkel abgesehen, alles – nur nicht lebhaft.

Link zur Sendung: https://www.ardmediathek.de/tv/Presseclub/Chaos-oder-Strategie-wohin-steuert-Deu/Das-Erste/Video?bcastId=311790&documentId=52718646

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Autor

BMTD

Stefan Klager

Kontakt: www.Der-Kommunikations
Coach.de

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