„Mach’s in Sneakern, Maas!“


Wer als Politiker nichts zusagen hat, kann optische Konventionen brechen. Wem genau zugehört werden soll, der sollte es besser lassen, wie das Beispiel Heiko Maas zeigt.

Markus Tirok, 08.11.2018



Der Sonntagabend war ein Fest für uns Medientrainer. Zur besten Sendezeit konnten wir erleben, wie die Politik mit aller Macht versucht, gesehen zu werden. Nur dass die Botschaft nicht wirklich ankam. Dafür gab es viel Hohn und Spott. Was war denn da wieder los in der Hauptstadt?

Bundesaußenminister Heiko Maas trat vor die Fernsehkameras: Routine für einen erfahrenen Politiker. Seine Kernbotschaft: „Mehr Selbstbewusstsein für die Partei!“ Wenig originell, und das wusste Maas natürlich auch. Die Frage muss also lauten: Was gilt es zu tun, um die mediale Aufmerksamkeit für diese Botschaft zu erhaschen?

Ich weiß nicht, wer auf die Idee kam - und ich hoffe inständig, es war kein politischer Medienberater. Doch eine nicht bekannte Stimme flüsterte Heiko Maas wohl die Lösung ins Ohr: Mach’s in Sneakern!

Der Konventionen-Brecher zieht meistens. Die Fallhöhe muss halt hoch genug sein. Das war sie bei Maas, der vor zwei Jahren von einem Lifestyle-Magazin zum bestangezogenen Politiker ernannt wurde. Und nun Sneaker, Lederjacke und T-Shirt? Überraschend, dass so wenig Mikrofone im Bild zu sehen sind. Hatte jemand vergessen, die Medien zu informieren, dass wir den Weltpolitiker im Hipster-Outfit sehen werden? Macht nichts, Twitter und Facebook haben das Publishing übernommen und die Posts überschlugen sich. Über das politische Selbstbewusstsein der Partei twitterte aber irgendwie keiner. Es entfachte eine hitzige Mode-Diskussion - wenig politisch!

Wir dürfen dem Politprofi Maas unterstellen, dass er detailliert vorhersehen konnte, was sein Auftritt auslösen wird. Es muss ihm klar gewesen sein, dass sein gesprochenes Statement von Selbstbewusstsein verhallt, dass die Sneaker die eigentlichen News sind. Er setzt also nur auf den Effekt der Überraschung.

Wie gelungen ist dieser Medienauftritt dann? Ich finde ihn verkrampft und gewollt, nicht natürlich und authentisch. Denn Heiko Maas zeigte sich bisher staatsmännisch im gut sitzenden Anzug mit Krawatte und geputzten Schuhen. Die Hipster-Metamorphose vor den Kameras ist nicht nachvollziehbar. Und dass ihm ausgerechnet an diesem Wochenende bewusst geworden ist, die Nähe zu den BürgerInnen zu zeigen, in dem er so um die Ecke schlurft, ist nicht glaubwürdig.

Ist es nicht ein schnell durchschaubarer Taschenspielertrick, um von Inhalten abzulenken, die eh gerade keinen mehr erreichen? Ist es nicht eine uninspirierende Kopie von Joschka Fischer, nur dass dieser damals mit seinen Turnschuhen im Landtag noch ein echtes politisches Statement gesetzt hat? Sind Maas Sneaker nicht eine Verzweiflungstat, um sich anzubiedern? Hier hat jemand die Auftrittsgeschichte nicht zu Ende gedacht und so flogen ihm seine Sneaker sinnbildlich um die Ohren.

Ein lehrreiches Beispiel, warum selbst die Kleidungs-Frage einen wichtigen Teil der Kommunikationsstrategie ausmacht und in keinem professionellem Medientraining fehlen darf. Denn jetzt stellen wir uns mal vor, Maas hätte wirklich was zu sagen gehabt? Es hätte keiner gehört.

Der BMTD ist unabhängig, überparteilich und ausschließlich der professionellen Kommunikation verpflichtet. Die Auswahl der Interviewpartner und ihrer Zitate sowie die entsprechenden Bewertungen erfolgen ausschließlich nach den BMTD-Empfehlungen für einen erfolgreichen Auftritt und sind deswegen kein Ausdruck einer politischen Richtung.

Autor

BMTD

Markus Tirok

Kontakt: www.tirok.de

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