Doppeltes bayrisches Eigenlob misslingt


Warum ich mich nördlich des Weißwurst-Äquators fremdschäme

Daniel Baumbach, 09.04.2018


Stoiber trifft Söder / Screenshot YouTube


„Eigenlob stinkt!“ - eine Redensart, die dem bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder seit jeher vollkommen schnurz ist. Er findet sich richtig gut (oder bayerisch-deftiger formuliert: richtig geil), und das teilt er der Welt auch immer wieder mit. Söder ist es dabei egal, dass sich selbst preisen als unehrenhaft gilt. Oder dass Menschen, die sich übermäßig stark selbst loben, eher unbeliebt sind. Mit dem aktuellen Video-Blog der bayerischen Staatskanzlei bei YouTube übertrifft Söder seine übliche Selbstverliebtheit aber noch ein ganzes Stück. Er versucht, ein doppeltes bayerisches Eigenlob zu schaffen.

Doch sein Gast, der „große, große bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber“ (OTon Söder), spielt nicht richtig mit. Erst deckt Stoiber auf, dass er nicht ganz freiwillig nach Jahren mal wieder in seinem alten Arbeitszimmer steht (Stoiber: „Markus Söder hat mich schon vor Wochen schon auf diesen Termin festgenagelt.“). Dann ringt er sich ein Lob in doppelter Verneinung ab („Ich sehe im Moment nicht, was er nicht richtig macht.“). Überzeugung klingt anders!

Trotzdem blickt Söder genau bei diesem Stoiber-Satz triumphierend und selbstgefällig lächelnd in die Kamera. Seht ihr, selbst der Stoiber findet, dass ich der Richtige für dieses Amt bin, scheint er in dieser Sekunde zu denken.

Und das ist genau der Moment, in dem ich mich für Söder richtig fremdschäme. Als Medientrainer finde ich seine mimische Botschaft verheerend, gerade auch vor der anstehenden Landtagswahl im nächsten Jahr. Was soll ich als Betrachter von einem Politiker halten, der sich so offensichtlich toll findet? Wird er in seiner Selbstverliebtheit jemals was für andere, für die Gemeinschaft tun oder immer nur für sich selbst?

Ganz klar, Politiker dürfen auch sichtbar stolz auf Erreichtes sein. Doch solche offensichtlichen Selbstbeweihräucherungs-Versuche sollten tabu sein. Das durchschauen die Wähler schnell. Außerdem riskiert Söder einen Shitstorm.

Die ganze Konstellation mit dem Treffen Söder/Stoiber war unglücklich gewählt. Wenn Söder Stoiber nach seiner Vorstellung eine Einstiegsfrage gestellt hätte (z. B.: Wie ist es für Sie mal wieder in ihrem alten Amtszimmer zu sein?), es hätte natürlicher gewirkt. Und wenn Stoiber dann irgendwann ein Lob über Söder äußert, ist es einfach glaubhafter.

Und dann, lieber Herr Söder, auch wenn es gegen Ihr Naturell ist: Schauen Sie beim nächsten Mal einfach nicht triumphierend in die Kamera! Halten Sie den Blick zu Stoiber und senken dabei leicht den Kopf. Das wirkt bescheidener und damit sympathisch. Und die Lobhudelei erscheint ehrlicher!

Hier finden Sie das Video: https://www.youtube.com/watch?v=j2xXu-mq6OE

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Autor

BMTD

Daniel Baumbach

Kontakt: medienspezialist.com

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