Bundesverkehrsminister gibt am Telefon den energischen Macher


Ein bürgernaher Auftritt, bei dem sich Andreas Scheuer als Macher präsentieren kann. Die wichtigste Frage muss er allerdings nicht beantworten.

Daniel Baumbach, 14.11.2018


Quelle: Screenshot YouTube


"Andreas Scheuer im Bundesverkehrsministerium - herzlich willkommen!" Es ist der Bundesverkehrsminister höchst persönlich, der da ans Bürgertelefon geht und Fragen zum leidigen Diesel-Thema beantwortet. Unprätentiös, bürgernah, fachkundig - so will das BMVI seinen Minister in dem knapp 30minütigen YouTube-Clip präsentieren. Der technische Aufwand ist minimal: Der Minister wird aus einer Perspektive gefilmt und hart geschnitten. Es gibt keinen Opener, kein Logo, keine Blenden, keine Musik, keinerlei Video-Schnickschnack. Nur Andreas Scheuer telefonierend mit den Bürgern. Es ist eine Show des Understatements - und damit gar nicht mal schlecht. Denn der Fokus dieses Clips, das will uns diese ganz einfache Aufmachung sagen, ist klar auf das Gesagte gerichtet, nicht auf die Präsentation oder die Selbstdarstellung eines Ministers.

Telefonat mit Bundesminister

Und interessanterweise sind die Anrufer gar nicht mal überrascht, dass der Bundesverkehrsminister da persönlich am Telefon ist. Kaum einer thematisiert das, und höchstens die Mimik Scheuers verrät, dass der Minister beim Nennen seines Namens eine Reaktion erwartet. Aber entweder realisieren die Anrufer gar nicht, wer am anderen Ende der Leitung ist. Oder - was wahrscheinlicher ist - sie wurden vorab darüber informiert. Denn ohne ihre Zustimmung darf das Ministerium wegen des Persönlichkeits- und Datenschutzes keines der aufgezeichneten Telefonate veröffentlichen.

Was passiert mit Euro-5-Fahrzeugen?

Bis auf eine Frage zum Sportboot-TüV, die Scheuer zügig an seine Fachabteilung verweist, geht es den Anrufern um Abgasgrenzwerte und Fahrverbote in den Städten sowie vor allem um die Perspektive für Euro-5-Dieselfahrzeuge. Denn die Anrufer sind Autoverkäufer, die ihrer Kundschaft täglich Rede und Antwort stehen müssen und deshalb Informationen brauchen aus erster Hand. Und Scheuer gibt am Telefon den handlungsstarken, energischen Minister: "Wir machen Dampf!", "Die Information muss jetzt raus!", "Sie wird sehr, sehr schnell versendet!", "Mit Hochdruck arbeiten wir dran!", sagt er, als es z. B. um ein Schreiben des Kraftfahrtbundesamtes (KBA) geht, das die 1,4 Millionen Dieselfahrzeug-Besitzer über Wechselprämien und Umrüstungen informieren soll. Ansonsten bleibt Andreas Scheuer aber im Ungefähren. Auf Nachfrage wird er lediglich konkret beim Maximalpreis für eine Hardware-Nachrüstung für Dieselfahrzeuge ("3000 Euro") und wie lange es dauern kann, bis für den PKW-Massenmarkt neue Diesel-Katalysatoren vorliegen ("dauert auf jeden Fall 18 Monate").

Medientrainer zufrieden, Journalist nicht

Aus Sicht eines Medientrainers hat Scheuer mit seiner Telefonaktion vieles richtig gemacht. Denn die Anrufer sind mit seinen Aussagen zufrieden. Sie nehmen ihm seinen Auftritt ab. Einer lässt sich sogar zur Aussage hinreißen: "Zum ersten Mal im Leben erlebe ich Politiknähe, kein Herumlavieren, klare Fakten. Jetzt habe ich eine Perspektive." Scheuer hat also die Zielgruppe erreicht und keinen Widerspruch für seinen Macher-Auftritt geerntet. Die Botschaft "Wir im Bundesverkehrsministerium und ich als Minister tun was, um das Diesel-Chaos zu beenden!" kam rüber.

Aus Sicht eines Journalisten allerdings war es eine dünne Vorstellung. Denn es schwebt eine zentrale Frage im Raum: Warum alles erst jetzt? Was hat Andreas Scheuer in den letzten Monaten getan? Und: Hat er nicht viel zu lange vor den Autokonzernen gekuscht?

Aber zu seinem Glück hatte Scheuer ja keinen Journalisten an der Telefon-Hotline.



Hier finden Sie den kompletten Clip bei YouTube: https://youtu.be/aZCNtvKcYNc

Der BMTD ist unabhängig, überparteilich und ausschließlich der professionellen Kommunikation verpflichtet. Die Auswahl der Interviewpartner und ihrer Zitate sowie die entsprechenden Bewertungen erfolgen ausschließlich nach den BMTD-Empfehlungen für einen erfolgreichen Auftritt und sind deswegen kein Ausdruck einer politischen Richtung.

Autor

BMTD

Daniel Baumbach

Kontakt: medienspezialist.com

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